Von der Schwierigkeit bewusst zu genießen

Wer die Headline liest, der wird sich fragen, warum dieser Artikel in diesem Fotoblog landet und warum er nicht in der neuen Kategorie „Abseits gebloggt“ gelandet ist. Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen.


An den Nagel hängen?

An den Nagel hängen?


Ich habe meine Leidenschaft für die Fotografie recht spät entdeckt. Immer wieder ertappe ich mich dabei, permanent und einfach immer eine Kamera in der Hand zu haben. Man will alles festhalten. Man will alles in ein Bild bannen. Man will tolle Bilder schaffen, Bilder die gefallen oder polarisieren. Im besten Fall möchte man Bilder schaffen die zum nacheifern anregen und wenn man ehrlich ist möchte man sogar manchmal Bilder machen, die unerreicht von allen Nacheiferern sind. So steigert man sich immer und immer wieder ein ums andere Mal in einen Rausch. Man fotografiert einfach alles und am besten probiert man dabei noch zig verschiedene Dinge. Vom Spezial-Objektiv hin zu tausend Filtern, vom Einfrieren von Tropfen hin zur Langzeitbelichtung. Überall. Doch damit tut man sich nicht nur keinen Gefallen, sondern man verliert zwei ganz wichtige Dinge. Zum einen geht der Spaß am Fotografieren verloren, denn man ist meistens nur gehetzt, setzt sich selbst und seine Fotografie unter Stress und teilweise unter unerreichbare Zielvorgaben. Doch was noch entscheidender ist, man verliert die Fähigkeit bewusst zu genießen. Dieser Artikel soll euch mit der Nase darauf stupsen. Denn diese Fähigkeit braucht ihr, um gute Fotos zu machen. Damit ihr besser versteht was ich meine, sei euch eine kurze Geschichte erzählt.

Vor wenigen Wochen hatte ich vierzehn Tage Urlaub und die Dame des Hauses wollte in den Urlaub fahren. Zeit und Geld kurz überblickt ergab das Reiseziel >>Berlin<< - für genau zwei Tage. Anreise am Donnerstag Mittag, Abreise am Samstag früh. Sobald das Hotel gebucht war, stellte sich der Fotograf in mir sofort einige Fragen. Welche Kamera? Welche Objektive? Welches Zubehör nimmste mit und wie transportierst du das nach und durch Berlin? Im Kopf spielte ich Szenarios durch. Weitwinkel, ND-Filter, Stativ und dann geil Architektur in Berlin ablichten. 50mm als Allrounder, Leute und Gebäude ablichten. Hmm....! Oder doch das 100mm und die Frau vor Berliner Sehenswürdigkeiten in Szene setzen? Diese Gedankenspiele habe ich in etwa eine Woche lang getrieben. Mich belesen und informiert. Aber wisst ihr was? Mein Entschluss lautete wie folgt. Ich ließ alle Kameras zu Hause. Wir hatten nur zwei Tage zeit und meine Frau war noch NIE in Berlin. Ich hingegen war da schon öfter. Wenn man also nur wenig Zeit hat und eine Urlaubsreise wirklich der Entspannung und Freude dienen soll, für was brauch ich die Kamera? Genau. Also ließ ich sie daheim. Schaute mir die Bauwerke durchs Auge an, statt durch eine Linse. Ich genoss einfach die Zeit mit meiner Frau und dieser Stadt. Ich habe es keine Sekunde bereut. Denn was ich von diesem Urlaub habe sind Bilder. Bilder in Form von Erinnerungen.Schöne, wundervolle Erinnerungen. Klar haben wir ein zwei Bilderchen mit dem Handy gemacht, aber wie hätte der Urlaub mit der DSLR ausgesehen? Ich an Linse und Stativ, meine Frau gelangweilt dahinter - genießen geht anders. Verstanden was ich meine? Lasst das Schätzchen mal daheim und grämt euch nicht darüber. Genießt immer was ihr tut, auch wenn ihr es ausnahmsweise mal nicht mit der Kamera tut. Außerdem ist eins gewiss. Ich war nicht das letzte Mal in Berlin und die meisten der Sehenswürdigkeiten sind dann noch da 😉

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Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist