Fotografieren am emotionalen Limit

Durch Zufall bin ich heute morgen auf einen Artikel gestoßen, der sich mit der Fotografie von Sternenkindern beschäftigt. Sternenkinder? Nie gehört. Also Google gefragt und eiskalt erwischt worden. In diesem Artikel möchte ich ein paar Gedanken mit euch teilen und bin auf eure Ansichten gespannt. Das Schreiben und Recherchieren dazu fällt mir nicht leicht, denn ich bin emotional sehr leicht zu ergreifen, dennoch versuche ich das hier mal mit euch gemeinsam.

Fangen wir mit der Frage an, was Sternenkinder sind. Dieser Begriff fasst für mich das Schlimmste, was im Leben passieren kann. Er bezeichnet Kinder, die kurz nach der Geburt sterben, oder schon im Mutterleib verstorben sind. Oft wissen die werdenden Eltern vorab um diese Zukunft des Kindes und um die entsprechenden Diagnose.

Könnt ihr euch das vorstellen? Ihr erwartet ein Kind. Wartet neun Monate darauf in dem Wissen, dass ihr es nur kurz oder gar nicht kennen lernen, großziehen und lieben dürft? Ich schreibe diese Zeilen mit Tränen in den Augen, denn man kann es sich wohl kaum vorstellen. Das muss eine ungeheure Qual für alle Beteiligten sein.

Wie bist du überhaupt auf dieses Thema gekommen?

Durch eine liebe Freundin, die Pia Kleine Wieskamp bin ich auf eine besondere Seite aufmerksam geworden, welche Eltern von Sternenkindern an Fotografen vermittelt, die ihnen einen immens wichtigen Dienst leisten. Sie fertigen Bilder an, Erinnerungen, wohl die wertvollsten und wichtigsten. Kostenlos. Sowohl Betroffene als auch Fotografen die bei diesem Projekt mitarbeiten wollen finden alle nötigen Informationen bei “Dein Sternenkind“. Das Lesen der Inhalte dieser Seite führte nun schlussendlich zu diesem Blogpost denn es stellte sich mir die Frage, ob ich meine bescheidenen Dienste Dort anbiete.

Bist du emotional stark genug?

Für die Sterneneltern ist es ohne Frage die schwierigste Hürde, die es im Leben geben kann und ich wünsche ihnen viel Kraft dafür und euch, dass ihr diese nie nötig habt. Wie stark muss man sein um so etwas zu überstehen? Wie schaffen Sterneneltern es, jeden Tag aufs neue aufzustehen und ihr Leben zu leben ohne permanent in Trauer zu versinken? Und weiter. Wie Schaffen es die Fotografen, den Eltern in dieser Zeit durch ihre Arbeit ein Stück Halt zu geben, ohne beim Druck auf den Auslöser vor Tränen nichts mehr zu sehen? Wie schwer ist es für einen Fotografen, ein kleines aber nicht mehr lebendes Menschlein abzulichten und den Bildern diese unendliche Schwere wenigstens ein Stück weit zu nehmen? Wie verhält man sich als Fotograf bei so einem Shooting? Diese Frage lässt mir keine Ruhe, von der rein menschlichen Seite um die Eltern nicht noch mehr zu belasten hin zu rein handwerklichen Seiten, wie der Ausleuchtung in einem Krankenhauszimmer. Woher weiß man dass man das Zeug dazu hat, der richtige Fotograf für diese Aufgabe zu sein, ohne daß durch ein Trial-and-Error herausfinden zu müssen?

Wie schafft man als Fotograf den nötigen Abstand zu diesem wirklich ergreifenden Ereignis und bringt gleichzeitig dennoch alles mit und gibt dennoch alles um den Eltern eine emotional wertvolle Erinnerung zu schaffen? Das alles sind Fragen die mich umtreiben und auf die ich noch keine Antwort habe. Doch ich habe viele Meinungen in meiner Recherche eingeholt. Da sind zum einen Sterneneltern, die mir erzählt haben, dass viele Krankenhäuser überhaupt nicht wissen, dass es Fotografen gibt die sich sogar kostenlos um diese Erinnerungen bemühen. Sie sagen sie haben drei Digi-Cam Bilder von der Hebamme aus dem Kreißsaal als einzige und aller wertvollste Lebenserinnerung an ihr Kind. Das sollte doch so nicht sein, oder?

Ich habe tiefsten und ehrlichen Respekt vor Kai und seinen Sternenkinder-Fotografen für ihren Einsatz und ihr Geschenk an die Eltern. Mich bewegt dieses Thema, dass merkt ihr schon und das wird auch nicht der letzte Blogpost zu diesem Thema werden. Doch genug von mir, wie schaut es bei euch aus? Habt ihr euch mit dem Thema schon beschäftigt? Wie sind eure Gefühle? Oder seid ihr gar Sterneneltern und möchtet mir eure Geschichte erzählen? Lasst es mich wissen!

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist