Fische sind Freunde, kein Futter!

Konkurrenz belebt das Geschäft – Dieses Zitat ist in vielen Bereichen des Lebens gültig und letztendlich nicht nur für den Kunden, sondern auch für die Wandlungsfähigkeit, Innovationsfähigkeit und Weiterentwicklung diverser Geschäftszweige ein Segen. Dem gegenüber steht das Konkurrenzdenken und das damit einher gehende Geschäftsgebaren einiger Menschen. Warum Fische Freunde sind und Konkurrenz gut, Konkurrenzdenken aber schlecht für euer Geschäft ist, möchte ich in diesem Artikel besprechen.

Die Konkurrenz

Der Duden definiert “Konkurrenz” als “auf einem bestimmten Gebiet […] stattfindender Wettkampf oder Wettbewerb”. Das bedeutet also einen stetigen Wettkampf oder Wettbewerb um, in unserem Fall innerhalb der Fotografie, zahlungskräftige Kunden oder Aufträge. Das hat für den Kunden auf der Hand liegende Vorteile. Der Kunde hat mehr Auswahl sowohl bei der künstlerischen Signatur der Fotografen, als auch bei ihrer Preisspanne. Das führt letztendlich dazu, dass es wohl für jeden Geldbeutel, jeden künstlerischen Anspruch und jeden Geschmack ein passender Anbieter am Markt zu finden ist. Meistens findet man in der gesuchten Kategorie sogar mehrere Anbieter, teilweise keine zehn Meter von einander entfernt. Die Technik hinter der Fotografie ist günstig wie nie zu vor und das Wissen diese auch richtig bedienen zu können gibt es an jeder Ecke und oft ohne Kosten.

Konkurrenzdenken

Aus vielen Gesprächen mit Kunden und Kollegen zeichnet sich mir innerhalb der Fotografenszene oft ein eindeutiges Bild. Viele Anbieter werden entweder immer günstiger um mehr Aufträge zu generieren oder aber es werden recht offensive und aggressive Maßnahmen der Werbung von Kunden genutzt und zum Beispiel mit der Herabsetzung der Konkurrenten oder sogar noch fragwürdigeren Methoden gearbeitet. Natürlich ist man nicht mit jedem Menschen gleich nach dem ersten Kennenlernen super befreundet und natürlich gibt es auch Kollegen, zu denen man sich deutlich abgrenzen möchte, aus den verschiedensten Gründen. Warum aber Konkurrenzdenken unter Fotografen (und auch in vielen anderen Branchen eine Sackgasse ist und welche Möglichkeiten sich bieten, wenn man diese Art zu denken überwinden kann, darum soll es mir hier hauptsächlich gehen.

Umdenken

Nicht ganz umsonst zeigt das von mir gewählte Foto hier die Kollegen Weißmantel und Ludolph. Diese beiden gehören neben Benjamin Peter und Timo Raab  zu den Menschen, die mir eine wichtige Lektion der Fotografie erteilt haben. Um euch zu verdeutlichen wie viel euch Kameradschaft, gegenseitiges Verständnis und Hilfe sowie enge, positive Vernetzung in der Fotografie bringen, muss ich ein wenig ausholen.

Als ich angefangen habe zu fotografieren, habe ich keine Menschen fotografiert und meine Bilder sahen in etwa so aus:

Creeepy!

Als ich anfing Menschen zu fotografieren, wollte mir dies anfänglich nicht recht gelingen. Ich habe also den einen oder anderen Workshop besucht und mir gewisse Dinge beibringen lassen und habe dafür bezahlt. Was ich dabei nicht lernen konnte, war, was mir die Kollegen beigebracht habe. Ich durfte damals kostenlos dabei sein, als Ben Peter in seinem Studio aufwändige Kreativshoots gehabt hat. Ich durfte erfahren, wie so etwas abläuft, worauf Ben wert gelegt hat und wie seine Fotos entstanden sind. Unter einer Bedingung. Ich musste meinen Kollegen das gleiche ermöglichen. Unter Einhaltung dieser Bedingung durfte ich sogar selbst ein paar Mal den Auslöser meiner eigenen Kamera am Set drücken.

Seit diesem Tag ist es so, dass bei meinen geplanten freien Shoots jederzeit ein Fotograf dabei sein kann und so entsprechend gucken wie es bei mir zu geht und natürlich darf dieser Kollege auch den Auslöser seiner Kamera an meinem Set betätigen. Aber warum genau machen solche großen Fotografen so etwas? In manchen Fällen natürlich ganz klar aus Freundschaft. Aber es steckt mehr dahinter.

In einer Welt in der Kunden immer mehr Geld für Dinge ausgeben, die bleiben, Wert haben und nicht flüchtig sind, wie etwa Häuser, Grundstücke oder Erinnerungen, gibt es für unser Dafürhalten genug Geld am Markt, dass man verdienen kann. Ein Streit unter Kollegen ist dabei nicht mal dann nötig, wenn man bildlich gesprochen mit dem direkten Nachbarn den gleichen Acker bestellt. Jeder Fotograf hat eine ganz eigene Handschrift. Einen ganz eigenen Fingerabdruck wenn man so will, resultierend aus der eigenen Art Dinge zu sehen. Es gibt also letztendlich kein Konkurrenzprodukt. Kein Fotograf stellt exakt das Gleiche Material her wie der andere und somit gibt es keinen direkten Wettbewerb. Der Kunde wählt meist nach zwei Kriterien aus. Zum einen schauen viele Kunden einfach nach dem Stil des Fotografen und dann auf die Preise. Wenn es gut läuft sogar genau in dieser Reihenfolge.

Was die Fotografenszene aus dieser Situation also machen kann, ist für alle ein Gewinn. Man schließt sich zusammen, man entwickelt eine berufliche Basis auf der man miteinander umgehen kann. Man kann sich gegenseitig beim Equipment aushelfen, man kann kreativ voneinander lernen und profitieren und egal wie eng man am Ende zusammen arbeitet, am Ende des Tages hat jeder Fotograf sein ganz eigenes Produkt in der Hand, dass es so nicht noch einmal gibt. Dazu bekommt man, sozusagen als Dreingabe Hilfe im Notfall, Hilfe bei der Entwicklung und immer wieder neue Denkansätze und neuen Input.

Natürlich wird es, dem Naturell des Menschen geschuldet, immer wieder mal so genannte Stutenbissigkeit geben. Missgunst und Neid sind so alt wie die Menschheit selbst. Aber wir sind in einer Zeit angekommen in welcher wir in der Lage sind, solche Denke abzuschaffen und sie zum Wohle unserer selbst und zum Wohl unserer Kunden zu überwinden. Ich selbst empfehle immer wieder gerne Kollegen wie meinen Nachbarn Hoffi oder Hage, denn zum einen sind die Jungs wirklich gut und zum anderen möchte ich in aller erster Linie dass meine Kunden zufrieden sind. Wenn ich also in Vorgesprächen merke, dass ich nicht wirklich das bieten kann, was der Kunde sucht, keine Zeit an dem gewünschten Termin habe oder ähnliches, empfehle ich Kollegen. Bisher hat das immer dazu geführt, dass diese Empfehlungen auch wieder in die andere Richtung gelaufen sind. Fische sind Freunde, kein Futter!

Denkt mal darüber nach.

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist