Diese Linse kann weg

Zugegeben, der Titel ist reißerisch gewählt und ich hätte mir für den ersten Blogpost seit über zwei Jahren vielleicht was besseres überlegen können, aber mir ist einfach keine gute Headline eingefallen.

Denn der heutige Blogpost ist aus einem kurzen Gespräch mit dem lieben Alex aka. Photosaarfarie entstanden. Von ihm habe ich mein heiß geliebtes 24mm Objektiv gekauft und war damit zum ersten Mal seit beginn meiner Leidenschaft zur Fotografie im Sonnenaufgang fotografieren.

Über die Fachsimpelei

Bevor wir ins Detail zum heutigen Beitrag gehen, möchte ich mit euch noch kurz über das Fachsimpeln, den Hardwaretalk oder auch das viel beschworene Networken reden. Das letzteres gut, richtig und in vielen Fällen auch wichtig sein kann, wenn man voran kommen möchte, weiß ich wohl. Ich bin jedoch einfach nicht der Typ dafür, Hans Dampf in allen Gassen zu sein (*Phrasenschwein fütter*) und mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit den Kollegen zu treffen, zu tratschen und zu connecten. Schon allein weil mir dafür schlichtweg die Zeit fehlt.

Eine richtige Aversion dagegen habe ich gegen die Fachsimpelei und den Hardwaretalk, wie er an jedem Fotostammtisch, auf nahezu jeder Fotografenseite bei Neuerscheinung eines Kameramodelles von Hersteller XYZ und so weiter getrieben wird. Das liegt vor allem daran, dass ich mich erfolgreich vom so genannten GAS lösen konnte und mit meiner Ausstattung sehr zufrieden bin und zum anderen liegt es daran, dass ich keinen Mehrwert darin erkennen kann, meine spärliche Zeit damit zu verbringen mit Kollege Meier und Foto-Müller über diese oder jene Linse zu fachsimpeln oder die Vorzüge und Nachteile von Kamera A oder B zu erörtern. Denn in den Meisten Fällen hat jeder seine Meinung und auch wenn man sich austauscht, diese bleiben bestehen. Deswegen verblogge ich oft meine Ansichten zur Hardware, so ich sie denn für teilenswert erachte. Außerdem bin ich nicht zuletzt in meiner Ansicht zur Foto-Hardware im Portraitbereich ein kleiner Hardliner oder Extremist, wenn man so will. Genau diese doch recht extremen Ansichten sind Ursache für meinen oben erwähnten Plausch mit dem Alex und der Grund für diesen Blogpost gewesen.

Diese Linse kann weg

Welche Linse kann also weg? Nunja, ich hole etwas weiter aus. Denn mit Alex bin ich ( mal wieder )zu dem Schluss gekommen, das 24mm eine richtig fantastische Brennweite ist. Gerade für die Portraitfotografie ist sie einfach so fantastisch anders, immersiv und herausfordernd, dass das Fotografieren einfach nur Spaß damit macht. Oder wie Alex gesagt hat:

“Muss man halt können und klappt nicht immer, macht aber es macht einfach super viel Spaß”

Recht hat er. Aber welche Schlüsse ziehe ich daraus? Für mich persönlich ist das recht einfach. Ich besitze zwar eine 85mm Brennweite (Für die Fachsimpler: das Sigma 85mm 1.4 ART),aber ich benutze es nur für ganz ganz ganz bestimmte Zwecke. Ich finde mittlerweile nach über zwei Jahren ausschließlich auf 24mm Brennweiten jenseits der 35mm recht langweilig. Das gilt insbesondere für eine einstmals von mir sehr oft empfohlene. Die Rede ist von 50mm Objektiven. Wenn man Portraits fotografiert, gibt es in meinen (recht extremen) Augen fast keine Berechtigung mehr für diese Brennweite. Die Bilder damit haben meist einen langweiligen Look und die Linsen die wirklich was taugen kommen preislich so hoch daher, dass es kaum lohnt eine zu kaufen. Ich habe das auch in diesem Artikel schon mal näher ausgeführt.

Für mich haben Brennweiten jenseits der 35mm nur noch eine einzige Berechtigung. Im Fall von 50mm ist diese, dass man Einsteigerobjektive mit guter Anfangsblende schon für sehr schmales Geld gibt, so dass Anfänger der Fotografie relativ günstig ein eine Festbrennweite mit guter Blende kommen. Aber das wars dann auch. Jenseits der 85mm gibt es für mich quasi nur noch einen Grund dafür, Linsen in diesen Brennweitenbereichen zu kaufen. Nämlich der, dass ihr einfach nicht näher an euer fotografisches Sujet heran könnt. Tiere die schreckhaft reagieren bei Tier- und Wildlifefotografie und Hochzeiten, bei denen es einem untersagt ist nah an das Brautpaar heranzugehen, bei der eigentlichen Trauung zum Beispiel. Für wirklich alles andere außerhalb dieser Ausnahmen stehen 35mm und 24mm jeden Vergleich und machen, zumindest für mich jedes Bild spannender und lebendiger, das Können des Fotografen dafür vorausgesetzt.

Viel Text – und nun?

www.blendstufe.de

Diese, meine doch recht extremen Ansichten zur Portraitfotografie und der Wahl der richtigen Brennweite dafür wollte ich euch einfach einmal mitteilen, da am heutigen Morgen die Gespräche mit Alex und auch meinem guten Freund Ivan einfach dazu angeregt haben. Ich sage auch nicht, dass es keine geilen Bilder mit langen Brennweiten gibt. Aber in aller letzter Konsequenz bedeuten meine Gedanken hier, einfach nur, dass ich in meinem Bestand sogar auch das (Sigma ART 1.4) 35mm aussondern und verkaufen werde. Ich bin mit 24mm furchtbar glücklich und habe für oben erwähnte Ausnahmen ja noch das 85er dabei. Ich besitze sonst an sich überhaupt keine anderen Linsen und man mag mir unterstellen, dass bei diesem Tunnelblick natürlich auch die Variabilität meiner Bilder und somit auch die Vielfalt leidet. Den Punkt kriegt ihr, aber damit kann ich gut leben. Ich bleibe dabei. Haut euer 50er weg ! Das braucht kein Mensch. Probiert ein 24er aus. Lang und intensiv. Und wenn es denn der Zufall so will, werden wir bei gegebener Zeit doch einmal ins Fachsimpeln kommen und unsere Ansichten miteinander tauschen. Ob du mir dann zustimmst wird sich zeigen 😉

 

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist