Bilder bei denen du funktionieren musst

Einen Text zu finden, für das was ich euch heute zeigen und erzählen möchte, ist mehr als schwer. Dies ist keiner der sonst hier üblichen Artikel über das Handwerk der Fotografie oder ein Testbericht. Ich möchte euch heute über meine Arbeit für Dein Sternenkind berichten. Aber dieser Artikel wird nicht nur Worte beinhalten, sondern dank Erlaubnis der Eltern meines letzten Sternchens auch explizites Bildmaterial. Daher sei hier direkt im ersten Teil des Artikels folgende Warnung an euch ausgegeben, meine lieben Leser. Ihr findet hier Bildmaterial von Sternenkindern. Warum und weshalb erläutere ich im Verlauf des Artikels, aber ich möchte jedem mit zartem Gemüt raten, die Fotos nicht anzuklicken und diesen Artikel nur zu lesen. Daher habe ich die Bilder extra nur unkenntlich eingebunden und hinter Links abgelegt, welche ihr extra anklicken müsst. Diese finden sich am Ende des Artikel, im Artikel selbst nur die verzeichneten Versionen der Bilder.

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Warum?

Die Frage nach dem Warum für meine ehrenamtliche Tätigkeit bei Dein-Sternenkind habe ich mir schon sehr lange überlegt  und auch reiflich. Fotografieren ist etwas, dass ich gut kann und so kann ich in einer der schlimmsten Situationen in die Eltern kommen können, nämlich im Tod des eigenen Kindes, eine Kleinigkeit für sie tun. Nicht viel. Aber ein wenig. Ich fahre also ins Krankenhaus, betrete das Zimmer der Familie und mache dort Bilder von einem viel zu früh verstorbenen Menschlein, damit die Eltern eine ordentliche, pietätvolle und liebevolle Erinnerung an ihren kleinen Schatz bekommen. Denn die Alternative zu meiner Arbeit möchte ich ihnen ersparen. Handy- oder Kompaktkamerabilder in schlechtem Licht, oft aus Zeitnot wenig liebevoll hergerichtet (erlebte Details möchte ich euch hier wirklich ersparen), können noch Jahre später beim Betrachten einen emotionalen Schock auslösen und tragen nicht gerade dazu bei, dass die Eltern das Erlebte gut verarbeiten können, so es denn überhaupt möglich ist. Mein allererster Fall, der kleine Eric  hat mir gezeigt, dass ich diese Aufgabe bewältigen kann und vor allem, dass ich damit wirklich ein wenig Linderung bringen kann. Genau deswegen ist mir diese Arbeit und die Verbreitung dieser tollen Organisation Dein Sternenkind so wichtig. Auch der heutige Artikel ist aus dem Wunsch heraus entstanden uns und unsere Fotografen, Organisatioren, Forumsbetreuer und alle anderen die dort mit starker Hand mitarbeiten bekannt zu machen, so dass kein kleines Sternchen mehr ohne ordentliche Bilder seine Eltern verlassen muss.

Wie?

Ich werde verdammt oft gefragt wie ich das mache. Nicht technisch, denn das sollte jeder Fotograf auf die Reihe bekommen. Nachts um 3, im kalten Mischlicht eines Krankenhauses ohne tollen Studiohintergrund oder ähnliches Bilder zu machen ist nichts leichtes, das ist mir klar. Aber mit der aktuellen Technik und ein wenig Wissen darum, könnte das meiner Meinung nach jeder Hobbyfotograf. Problematisch ist eher die mentale und emotionale Seite dieser Arbeit. Ich wurde bei meinem ersten Fall ins “kalte Wasser” geworfen und musste so mehr oder weniger die Eltern als Versuchskaninchen hernehmen um zu wissen ob ich der Lage emotional und technisch gewachsen war. Gott sei Dank hat das alles geklappt. Mittlerweile biete ich bei jedem Fall den ich betreue neuen Sternenkindfotografen die Möglichkeit mit mir mit zu kommen und so diese ganz spezielle Situation nicht als Druck mit dem Rücken zur Wand zu erleben, sondern ihnen klar zu machen, dass sie nicht alleine sind, sie den Ansprüchen gewachsen sind und den Eltern einen wichtigen Dienst erweisen.

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Wie also stemmt man diese Situation? Nun ich kann hier nur für mich sprechen und euch kurz schildern wie es für mich bei einem Sternenkind läuft. Bereits auf dem Weg zum Krankenhaus versuche ich mich mit Musik von der Schwere der ganzen Sache zu befreien oder zu mindest abzulenken. An die unermesslichen Qualen und Schmerzen der Eltern kann ich erst nach Ende der Aufnahmen denken. Ich versuche mit den Eltern im Zimmer auch so wenig wie möglich über Formalitäten zu sprechen, die es leider immer gibt und versuche sie weder zu stützen noch Trost zu spenden, denn das ist etwas was ich mir nicht zutraue. Viel eher versuche ich einfach quasi als “Element des Raumes” zu erscheinen und sie in ihrer Trauer nur ein kurzes Stück des harten Weges den sie gehen müssen zu begleiten. Dabei musst du funktionieren. Du musst denen Fokus sicher treffen, du musst deiner Gestaltungskreativität ihren lauf lassen können, du darfst dich in dem Moment selbst emotional nicht auf die Situation einlassen. Sonst hast du als Fotograf verloren. Zumindest ich. Daher versuche ich das ganze eher ein wenig wie ein Neugeborenen-Shoot zu behandeln in welchem das kleine Herzlein nur schläft. Das allein ist eine große Aufgabe.

Ab und an kommt man mit den Eltern auch ins Gespräch, manche sind durchaus zumindest äußerlich sehr gefasst und klar. So habe ich mit einem Vater mal über die generelleSicherheit von Kraftwerken geplaudert, bevor ich die Bilder gemacht habe. Skurrilere Situationen habe ich noch nicht erlebt, aber auch in so einem Moment behandle ich die Eltern wie normale Menschen und Abseits ihrer Situation. Also mit Freundlichkeit, Respekt und ohne die große Mitleidsnummer.

Auf diese Art und weise habe ich nun mehr fast Zehn dieser Einsätze hinter mich gebracht, in denen weiß Gott nicht immer alles nach Plan lief. Sind die Bilder im Kasten, lasse ich die Eltern mit ihrer Trauer und dem Abschied alleine – für mich beginnt das Ganze dann erst. Ich gehe zu meinem Auto, setze mich hinters Steuer und lasse dann gezielt alle Emotionen und Gedanken zu, welche ich im Zimmer der Eltern nicht nur unterdrücke sondern regelrecht bekämpfe. Danach ist für mich das wichtigste nach Hause zu fahren und meine Familie in den Arm zu nehmen und mich von ihnen auffangen und lieben zu lassen.

Das Umfeld

Damit komme ich auch zu einer weiteren Frage die mich oft zum Thema erreicht. “Was sagt dein Umfeld dazu?” – nun da gibt es genau zwei Reaktionen. Die meisten Menschen meines Umfelds fragten mich erstmal warum ich das überhaupt tue und welchen Nutzen die Eltern davon haben. Ist das geklärt, wird das Thema oft schnell vermieden und selten weiter diskutiert. Die zweite Reaktion ist simples Schulterklopfen. Egal ob digital oder in echt. Das tut sehr gut und motiviert weiter zu machen denn oft sind es Eltern die das Gleiche erlebt haben, die mir beim Schulterklopfen mit auf den Weg geben: “Ich wünsche euch hätte es damals schon gegeben”. Wenn man so etwas hört stellt sich die Frage nach dem Warum nicht mehr. Zumindest für mich nicht.

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Das wichtigste im Umfeld ist nach wie vor meine Familie. Meine Frau stützt mich in dieser Sache wo ich stehe und gehe, steckt zurück wenn ich so einen Fall übernehmen kann und tut was sie kann um mir dafür den Rücken frei zu halten. Danke dafür <3 Genauso wichtig sind meine Kinder, die mich nach jedem Einsatz ausfragen. Sie wollen wissen was passiert ist, was das Sternchen hatte, wie es mir geht und ob ich gut für die Eltern gearbeitet habe. Sie interessieren sich sehr dafür und ich bewundere, wie locker und leicht sie mit diesen Informationen umgehen und klar kommen. Der Tod ist für die Kleinsten unter uns wohl eine völlig andere Sache als für uns Erwachsene. Ich bewundere jedes Mal ihre Empathie und bin den Tränen nahe wenn sie dann flüstern: “Das Sternchen ist jetzt beim Opa, der passt drauf auf!”. Last but not least ist auch meine Mutter ein großer Stützpfeiler. Sie nähte zum Beispiel eine Sonnenblume bei der einige Blätter als Decke fungieren und ich so das kleine Wesen darauf betten und schöne Fotos machen kann.

Einen besonderen Dank möchte ich den Ärzten, Schwestern und Pflegepersonal der Krankenhäuser aussprechen. Egal ob Frankfurt oder Aschaffenburg oder wo auch immer ich war, diese Damen und Herren haben mir sehr geholfen, durch ihre Zeit, ihren Einsatz und ihre Mühen. Ohne euch wäre dieser Job fast unmöglich! Danke!

Die Fotos

Die Frage nach den Bildern dieser Arbeit bekomme ich sehr oft gestellt und natürlich kann ich nur etwas zeigen, wenn die Eltern mir ihre Zustimmung dazu geben. Das passiert natürlich erst Wochen nach dem Tag an dem ich die Bilder gemacht habe und oft genug wird mir die Zustimmung verweigert. Die Bilder die ich euch heute Zeigen darf, sind die eines kleinen Engels und seiner Eltern. Auch die Eltern möchten, dass wir mit diesen Bilder Aufmerksamkeit für unsere Arbeit erzeugen können um so noch mehr Krankenhäuser und noch mehr Menschen darauf aufmerksam zu machen dass es auch in so schweren Stunden die Möglichkeit auf ein wenig Trost oder Linderung gibt.

Ich danke euch beiden für euren Mut und euch gehört mein Mitgefühl. Ich hoffe wir begegnen uns irgendwann unter besseren Umständen wieder.

Bevor ich euch jetzt diesen Bildern überlasse, möchte ich euch noch sagen, dass ihr mir jederzeit Fragen zu dieser Arbeit stellen könnt, gerne auch per Mail. Ich versuche alle Fragen zu beantworten. Und wenn ihr jemanden kennt, oder selbst euch das ganze zutraut, dann bitte ich euch inständig die Reihen unserer Fotografen zu verstärken. Man kann uns übrigens auch abseits der Fotografie unterstützen. Ihr könnt in der Organisation mithelfen, Kleidung für Sternchen nähen oder Geschenkkartons für die Bilder herstellen etc. etc. – wenn ihr gewollt seid zu helfen, finden wir sicher etwas für euch!

[ACHTUNG -EXPLIZITES BILDMATERIAL]

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

 

 

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist