Aller Anfang ist schwer – wie finde ich Modelle?

In der letzten Zeit wurde eine Frage immer häufiger an mich heran getragen: Ich habe gerade erst mit der Peoplefotografie angefangen, wie bekomme ich denn Modelle? Auf diese Frage möchte ich euch heute Antwort geben und euch ein paar Methoden und Möglichkeiten an die Hand geben, die vielleicht auch noch nicht Jeder kennt.

Zahlemann und Löhne

Für dieses schlechte Wortspiel fütter ich gern mal das Wortspiel-Schwein, aber in der Tat ist es die einfachste Methode überhaupt um gerade als Anfänger an gute Modelle zu kommen. Man bucht sie. Entweder über bekannte Model-Portale oder bekannte Agenturen. Das Ganze hat für den Anfänger zwei Vorteile.

 


Bild aus meinem ersten eigenen Portraitshoot

Bild aus meinem ersten eigenen Portraitshoot (2011)


Zu allererst ist ein gestandenes Modell in der Lage zu Posen und sich halbwegs zu drehen, stellen und bewegen, ohne dass der Fotograf Anweisungen gibt. Für einen Anfänger bedeutet das, er kann sich zunächst in aller Ruhe auf seine Technik und das blanke Handwerk konzentrieren. Viele Beginner tun sich nämlich sehr schwer damit, Modellführung und Technik gleichzeitig unter einen Hut zu bringen.

Der zweite Vorteil ist die Erwartungshaltung. Bucht man als Hobbyfotograf ein Modell, macht von Anfang an klar, dass man gerade erst begonnen hat und das ganze eine Übung für das eigene Können ist, stehen einem weniger Erwartungen entgegen und man nimmt sich selbst den Druck. Modelle kann man in allen Preisklassen buchen. Vom Hobbymodell bis zum erfahrenen Agenturmodell sind da Preise von 20€ bis 150€ die Stunde fällig, ganz nach Geschmack und Geldbeutel.

Nachbarschaftshilfe

Methode zwei ist ebenso einfach, birgt allerdings einige Gefahren, auf die ich später noch eingehe. Die klassische “Nachbarschaftshilfe” meint, man fragt Bekannte, Freunde und Verwandte ob sie einem nicht, zur Entwicklung der Fähigkeiten, Modell stehen können. Oft gibt es den einen, der neue Fotos für eine Datingwebsite braucht, eine werdende Mama, die gerne ihr Bäuchlein abgelichtet haben möchte oder die junge Liebe, welche sich auf Bildern verewigt sehen möchte. Für euch als Einsteiger natürlich dankbare “Versuchsobjekte” und da am Anfang wohl keiner von den Anfängern wirklich Bares für das Modellstehen verlangen oder bezahlen möchte, ist das für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Dabei kommen wir auch gleich zu den Risiken einer solchen Geschichte.

Foto aus einer meiner ersten Nachbarschaftshilfen

Foto aus einer meiner ersten Nachbarschaftshilfe (2011)

Die meisten Menschen die sich zu solch einer Nachbarschaftshilfe bereit erklären haben eine Erwartungshaltung an euch. Dieser soll von Seiten des Anfängerfotograf entsprochen werden und ihr müsst euch entweder sehr genau darüber im Klaren sein, ob ihr das packt oder nicht, oder aber ihr müsst vorab sehr gut umreißen und erklären, auf welchem Stand ihr euch gerade befindet. Sonst ist eine Seite vielleicht enttäuscht und das wollt ihr auf keinen Fall. Mein bester Tipp für Nachbarschaftshilfe lautet also: viel gemeinsam Sprechen, Bilder zeigen, gemeinsam Inspirationen suchen und wirklich alles geben (letzteres solltet ihr sowieso IMMER 😀 ).

Die Welt ist ein Dorf

Die Nachbarschaftshilfe empfehle ich recht oft und im Zuge dieser Empfehlung erhalte ich aber oft auch folgende Antwort: “Die Menschen im Bekannten- und Verwandtenkreis gefallen mir aber nicht so sehr“.

Ob das nun undankbar oder nicht ist bleibt zu diskutieren. Ob es den Fähigkeiten des Fotografen nicht gerade in die Hände spielt auch mit Modellen zurecht zu kommen, die er persönlich optisch nicht so ansprechend findet ebenfalls. Aber für die Absender dieser Message habe ich natürlich auch einen Rat. Die “erweiterte Nachbarschaftshilfe”. Gemeint ist damit das Internet und noch genauer gesagt lokale Facebook-Gruppen wie “Suche – Biete [Wohnort einsetzen]”. In solchen Gruppen kann man sein Ansinnen anbieten und oft genug finden sich da auch genug Menschen die Lust haben mit einem Anfänger zu Arbeiten und dessen Geschmack auch noch entsprechen. Ganz wichtig aber auch hierbei wieder: vorab klar kommunizieren und in sein Gesuch alle wichtige Eckdaten einbringen, wie Ort, Zeit, Begleitpersonen und so weiter.

Foto aus einer erweiterten Nachbarschaftshilfe (2013)

Foto aus einer erweiterten Nachbarschaftshilfe (2013)

Damit habt ihr nun die besten Methoden an der Hand, um euch am Anfang eures fotografischen Schaffens mit entsprechenden Menschen zu versorgen. Seid offen, kommunikativ und arbeitet nicht nur für euch sondern auch für die Menschen vor der Kamera und ihr dürftet euch stetig weiter verbessern und damit auch immer wieder Zugang zu einem neuen Modellkreis erhalten.

Bootcamp

Einen Geheimtipp gebe ich gratis noch mit dazu. Wer sich selbst und seine Fähigkeiten in wenigen Schritten und kurzer Zeit verbessern möchte, kann die “Bootcamp”-Variante ausprobieren. Bereitet dafür ein paar Visitenkarten vor, oder Blättchen mit euren Kontaktinformationen. Damit geht ihr in die Fußgängerzone der nächsten Klein- oder Großstadt. Dort sucht ihr euch immer wieder gezielt Menschen aus, die ihr interessant findet, sprecht sie vor Ort vom Fleck weg an und bietet eure fotografischen Dienste an und dazu eure Kontaktinformationen. Hierfür ist es natürlich hilfreich, wenn man schon ein oder zwei Bilder dabei hat, die das eigenen Können zeigen. Wenn nicht, ist es aber auch nicht schlimm.

Bootcamp-Foto (2017)

Bootcamp-Foto (2017)

Wer das ganze noch steigern möchte, nimmt direkt seine Kamera mit in die Einkaufsmeile und bietet seinen auserkorenen Gesprächspartnern direkt vor Ort ein fünf bis fünfzehn Minuten Mini-Shoot an. Dabei müsst ihr nämlich zunächst eure eigene Unsicherheit überwinden, direkt euren Umgang mit Menschen ausbauen und auch noch ad-hoc gute Ergebnisse abliefern. Eine meiner Lieblingsübungen für Workshop-Teilnehmer am Ende einer Tageseinheit.Wer diese Situation meistern kann, hat für sich schon unfassbar viel erreicht und in den Bereichen Kommunikation, Modelführung, Fotografie, Portraitfotografie, Marketing und mehr wichtige Erfahrungen sammeln können.

In diesem Sinne – shoot happy!

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist