5 Gründe warum du ein 35mm Objektiv brauchst

Als ich mit der Fotografie von Menschen angefangen habe wusste ich zwei Dinge für mich ganz genau. Erstens, ohne Menschen finde ich Fotos langweilig. Zweitens, wer Menschen fotografiert muss ein Macro-Objektiv mit einer Brennweite zwischen 50 und 100mm haben, sonst geht das nicht. Ich habe unfassbar viele Objektive probiert und gekauft und verkauft. Aber eine Brennweite und ein Objektiv hat mich so in seinen Bann geschlagen, das 95% meiner Aufnahmen genau mit diesem Ding entstehen und ich keinen Bedarf an etwas anderem verspüre. Damit du, lieber fotointeressierter Leser, mich besser verstehst, kommen hier 5 Gründe warum du ein 35mm Objektiv in deiner Tasche haben solltest.

Mobilität & Vielseitigkeit

Die meisten 35mm Objektive sind relativ klein, relativ leicht und aufgrund ihrer Brennweite sowohl für Landschaftsaufnahmen als auch für Portraits geeignet. Wenn man sich einmal dazu durchgerungen hat, diese Brennweite auch für Menschenbilder mal verstärkt einzusetzen, merkt man, dass es ein anderes Universum ist. Zumindest im Vergleich zu den “normalen Portraitbrennweiten”. Aber dazu später mehr. Das 35er kann man immer in der Tasche haben, frisst kein Brot und ist relativ günstig zu bekommen.

Abbildungsleistung & Preis

Festbrennweiten haben für meinen Geschmack den Zoom-Linsen einen entscheidenden Punkt voraus – die Abbildungsleistung und somit die Qualität des Endproduktes. Selbst die “schlechtesten” 35mm Objektive haben mit etwas abblenden eine richtig ordentliche Qualität und das zu vergleichsweise kleinen Preisen. Das zeigt zum Beispiel das Yongnuo 35mm F2, welches ihr für knapp 80 €uro kaufen könnt.

Wer etwas mehr möchte, der ist bei Samyang gut aufgehoben, deren neues 35mm 1.4 mit Autofocus kostet rund 500 €uro und liefert richtig gute Bilder ab! Ich für meinen Teil habe eine gebrauchte Ausgabe des Sigma 35mm 1.4 ART gekauft, da mir der Look der ART-Linsen von Sigma einfach nur richtig gut taugt. Für das, was ihr mit dieser Linse bekommt ist der aktuelle Preis mit rund 700 €uro absolut gerechtfertigt und so gibt es im Segment dieser Brennweite für jeden Geldbeutel das passende Schätzchen.

Sigma 35mm F1,4 DG HSM Art Objektiv (67mm Filtergewinde) für Canon Objektivbajonett

Price: EUR 729,00

4.2 von 5 Sternen (244 customer reviews)

27 used & new available from EUR 378,00

Mehrere Personen

Die Flexibilität einer 35mm Optik macht jedoch nicht bei Landschaftsfotografie oder Portraitfotografie mit einer Person halt. Diese Linse ist ein Monster wenn es darum geht mehrere Personen und Szenerie auf ein Bild zu bringen. Das kommt insbesondere zum Tragen wenn man Jungesellenabschiede oder ähnliches Fotografiert. Blende leicht zu, Verschluss schön kurz, nah ran und dennoch ein Bild mit dem großen Ganzen aufgenommen – das macht 35mm aus. Womit wir auch direkt beim wichtigsten Punkt für mich sind.

ein anderes Universum

Mit 35mm fotografieren setzt für die Meisten und so auch für mich ein Umdenken voraus. Wer vorher zum Beispiel auf 85mm fotografiert hat, der stand immer ein wenig weiter weg vom Motiv und selbiges war auf den Bildern immer recht bildfüllend und eng abgebildet.


Foto mit 85mm
 

Fotografiert man dagegen mit 35mm muss man, obwohl man wahnsinnig viel Kulisse mit auf das Bild bekommt, richtig nah ran an die Menschen. Das ist am Anfang extrem ungewohnt und da man ein wenig in die Komfort-Zone der Modelle eindringt, bedarf es auch einer guten Kommunikation, Modellführung und etwas Mut.

Foto mit 35mm

Foto mit 35mm

Der Lohn ist klar erkennbar. Der Betrachter wird, so ist zumindest mein Empfinden, bei Portraits mit 35mm nicht nur in die ganze Szenerie, sondern auch richtig “in die abgebildete Person hineingezogen”, denn auch der Betrachter kommt durch die Brennweite in die Komfort-Zone des Modells ohne selbiger jemals nah gewesen zu sein.

Das macht für mich die Besonderheit dieser Brennweite aus.

Kurze Brennweite – längerer Verschluss

Der letzte Grund ist eigentlich kein Kaufgrund, aber zumindest ein netter Side-Effekt für Menschen, die sich mit zitterigen Händen an der Kamera plagen. Teilnehmern meiner Workshops und Einzelcoachings gebe ich folgende Faustformel für verwacklungsfreie Aufnahmen mit. Die längste Verschlusszeit die du mit deinem Setup fahren kannst berechnet sich aus der Brennweite. Hierbei gilt grob, dass die Verschlusszeit gleich 1/(Brennweite)s das Limit setzt. Also wenn ihr mit 85mm fotografiert ist die längstmögliche Verwacklungsfreie Verschlusszeit etwa bei 1/80s. Nimmt man das als Grundsatz, so kann man bei 35mm eben auf 1/35s erhöhen und hat so ein wenig mehr Spielraum beim Licht und dennoch verwacklungsfreie Aufnahmen.

Du brauchst ein 35mm Objektiv

Das Fazit meiner Ausführungen sollte klar sein und wer sich bisher vor Portraits mit dieser Brennweite gescheut hat, sollte einfach mal das supergünstige Yongnuo bestellen und gucken, ob die Brennweite in Frage kommt. Meine Antwort auf diese Frage kennt ihr nun und ich bin dieser Brennweite und insbesondere meiner Linse schwer verfallen.

 

 

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Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist