5 Dinge, mit denen ihr Ausschuss reduzieren könnt

Heute habe ich einen Artikel für euch, der schon lange im Körbchen dümpelte und nur auf Veröffentlichung wartete. Er basiert auf der Frage eines Facebook-Fans: Wie vermeide ich Bilder-Ausschuss? Wer kennt das nicht? Man macht 600 Bilder und am Ende sind wirklich nur 10 Bilder oder weniger dabei, die man mit 5 Sternen versieht und sich immer wieder anschaut. Mit den heutigen 5 Tipps könnt ihr diese Quote deutlich reduzieren.

Bevor wir einsteigen bedarf es aber einer kleinen Analyse. Welche Bilder sind denn “Ausschuss”, welche Bilder sind “Überschuss” im Gegensatz zu den Bildern, die man am liebsten sofort gedruckt auf 2x3m an der Wand haben möchte, aber bitte Aludibond Direktdruck?

Ausschuss

Als Ausschuss würde ich Bilder mit technischen oder gestalterischen Mängeln bezeichnen. Verwackelt, schlecht komponiert oder Unscharf, diese Fotos möchte man weder zeigen noch Aufheben. Eine kleine Besonderheit gilt natürlich immer: wenn das Foto einen besonderen Moment transportiert und dennoch unscharf ist, wäre mir persönlich das völlig egal. Als Beispiel hier ein Foto aus einer Taufe. Der kleine Täufling weiß nicht recht was los ist und fixiert seinen großen Bruder voll Angst, welcher ihm wiederum ein unbesorgtes Lächeln zurück gibt. Ein Situationsbild das vor Unschärfe nur so strotzt und dennoch gehört es mit zu den besten Fotos die ich in 2018 gemacht habe, also definitiv kein Ausschuss.

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Halten wir also fest, abgesehen von transportierten Emotionen und Momenten sind technische Fehler die Ursache für “fotografische Ausschussware”.

Überschuss

Als Überschuss bezeichne ich viele Bilder mit fast gleichem Inhalt, also die Fotos, die man zumeist in Serie geschossen hat. Das tut man häufiger wenn zum Beispiel das Motiv in Bewegung ist oder man versucht den richtigen Moment innerhalb eines Shootings einzufangen. Außerdem legt man Überschuss sehr schnell an, wenn man ein wenig mit dem Licht und der Drehung des Subjekts zum Licht oder zur Kamera experimentiert.

5 Dinge um Ausschuss zu vermeiden

Ausschuss reduzieren ist im Prinzip eine einfache Sache und geht einher mit deiner Beherrschung der absoluten Basics der Fotografie. Wie immer spreche ich hier Hauptsächlich von der People-Fotografie.

Das magische Dreieck verinnerlichen

ISO, Blende und Verschlusszeit sind die elementarsten Bausteine deiner Fotografie. Sie ins richtige Verhältnis zu bringen und genau zu wissen wann man an welchem Wert drehen muss und wie sich damit die Bildwirkung verändert entscheidet als aller Erstes über ein gutes oder schlechtes Foto. Dieses Dreieck muss sitzen wie die Unterhosengröße. Wenn dich einer Nachts mit einer Fanfare ins Ohr weckt, solltest du alle Aspekte dieses Dreiecks noch mit geschlossenen Augen aufsagen können ohne einen einzigen Fehler dabei zu machen. Ist dem nicht so solltest du dich dringend damit auseinandersetzen. Manchen hilft ein gutes Tutorial, andere lernen das besser im Coaching, welches ihr natürlich auch bei mir bekommt. Schickt mir einfach eine Nachricht, wenn euch das interessiert.

Reduktion auf das Maximum

So simple dieser Tipp auch klingen mag, für mich ist er der Zweite und mit der Wichtigste um Ausschuss zu vermeiden. Wer die Tasche voller Gear und die Hände voller Zubehör hat, weil er in einem Tutorial gesehen hat, dass zum Beispiel Gegenlichtfotos nur mit Outdoor HSS-Porty funktionieren, der schliddert oft genug an guten Bildern vorbei, weil er sich auf alles andere konzentriert, als auf das was wirklich wichtig ist: eine Kamera, eine Linse, das Licht und das Modell. Um also Ausschuss zu vermeiden, versuch doch mal wirklich alles daheim zu lassen, außer die genannten Dinge und erlebe Fotografie ganz neu.

Stimmung und Übertragung

Ob ihr es glaubt oder nicht, mittlerweile gebe ich die meisten Seminare und Coachings auf einem Gebiet, welches völlig Abseits der Fotografie liegt, aber einfach zu 80% über die Tauglichkeit eines Fotos entscheidet. Die Rede ist von Stimmung, Übertragung und in Verbindung damit Modellführung und Kommunikation.

Ein gutes Foto, ein Bild welches also nie und nimmer auf dem “Kann weg”-Stapel landet ist eines, welches den Betrachter immer und immer wieder veranlasst, es zu betrachten und dabei zu verweilen. Das erreicht man in der Peoplefotografie einzig, allein und ausschließlich über die Stimmung des Modells. Diese wiederum kommt für mich zu 75% von dir – dem Fotograf. Alles was du vom Aufstehen an bis zum eigentlichen Shoot tust beeinflusst deine Stimmung und durch nonverbale und verbale Kommunikation und Übertragung auch die deines Modells. Wer also in diesen beiden Punkten ganz weit vorne liegt braucht sich über Modellführung fast keine Gedanken mehr machen und produziert einfach weniger Ausschuss. Wer es nicht glaubt sollte sich unbedingt bei mir ein Seminar holen und sich fit machen lassen!

Licht, Licht und nochmals Licht

Licht bestimmt über dein Foto. Ist es spannend gesetzt? Ist es interessant geführt? Ist es richtig gelesen und richtig interpretiert? Wenn du viele unscharfe, verwackelte oder fehlbelichtete Bilder in deiner Ausschussware findest, könnte die Ursache eine mangelnde Auseinandersetzung mit dem Licht sein. Dabei ist es egal, ob es künstliches oder natürliches Licht ist. Folgende Fragestellungen an dich helfen dir, das Licht richtig zu verstehen und deine Bilder entsprechend anders zu gestalten.

Habe ich ein ausgewogenenes Histogramm? Das Histogramm ist ein nützliches Tool an jeder Kamera und ihr solltet es immer im Auge haben. Das hilft euch beim korrekten Belichten eurer Bilder, egal was ihr als korrekte Belichtung erachtet.

Woher kommt das Licht, wie verläuft es und wo fällt es ab? Diese drei Fragen in Kombination sorgen für Spannung und ein durchdachtes Licht von links oben nach rechts unten. Habt diese drei Fragen bei der Bildkomposition immer im Kopf.

Bildkomposition

Last but not least sind auch Fehler in der Bildkomposition dafür verantwortlich, dass man fotografischen Ausschuss produziert. Es gibt Regeln für den Aufbau eines Bildes, mit denen man gestalterisch ganz vorne liegt und was gestalterisch Spannend gemacht ist bringt den Betrachter zu verweilen und sorgt dafür, dass man eben ein Bild nicht wegwirft sondern so komponiert das es beeindruckt. Dabei wird für meinen Geschmack das wichtigste Element am Meisten vernachlässigt: Erzählung einer Geschichte. Wenn der Betrachter eines Bildes Elemente einer kleinen Story im Bild erblickt und diese gut in Szene gesetzt worden sind, so wird er das Bild nach weiteren Hinweisen und Elementen absuchen. Wenn die im Bild verpackte Geschichte dann Betrachter dann auch noch mitnimmt, ist das Foto mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein absoluter Gewinner. Wie man so etwas macht kann man zwar lernen, aber besser ist es, sich inspirieren zu lassen. Dazu Empfehle ich euch die Kollegen Mario Sorrenti, Patrick Ludolph und Jamari Lior. Letztere ist eine Meisterin dieses Fachs und ihre Kompositionen sind unerreicht, nichts desto trotz war auch ich in den Anfängen meiner Fotografie bei ihr zum Coaching und es wird nicht der Letzte gewesen sein!

 

Überschuss reduzieren

Nun haben wir den Ausschuss mit meinen Tipps schon drastisch reduziert, dann nehmen wir uns nun noch dem Überschuss an. Auch Dafür habe ich Tipps auf Lager, wenngleich es hier keiner Fünf sondern lediglich genau Zwei bedarf.

Lass dich auf die Szene ein

Überschuss produziert man meist wenn man Serien von Bildern schießt um das richtige zu treffen, sei es bei Experimenten mit dem Sonnenstand im Gegenlicht oder diversen Mimiken und Posen des Modells. Das lässt sich sehr gut vermeiden in dem man sich einfach viel mehr auf eine Szene einlässt, genau durch den Sucher schaut und anstatt 10 Bilder in Serie zu knippsen vielleicht nur zwei mitnimmt und eben nur genau dann auslöst, wenn das Bild perfekt ist in Komposition, Licht, Pose und Handwerk. Less is more.

Erfahrung sammeln um voraus zu ahnen

Wirklich wichtig in der Fotografie ist das tun. Immer wieder raus gehen und fotografieren, immer wieder auch sich selbst mit neuen Situationen aus der eigenen Komfortzone rausholen um Dinge zu erfahren, die noch nicht da waren. Schlichtweg Erfahrung sammeln, darauf kommt es an. Denn dann kann man in vielen Situationen wie Hochzeiten, Taufen oder bei Modellen die man im Laufen fotografiert schon gut voraus ahnen, welche Bildsituationen sich ergeben werden und man ist mitten drin, wenn sie geschehen. Genau das sorgt für weniger Serienbilder und somit für weniger Überschuss

Over and Out

Ich hoffe ich konnte eure Fragen damit umfassend beantworten und wie ihr gelesen habt ist es eben nicht allein die technisch-handwerkliche Seite der Fotografie, welche dafür sorgt, dass man ein schlechtes Verhältnis von Topfotos zu Ausschussware produziert. Mir ist klar, dass manche der Tipps recht abstrakt sind, aber die Fotografie lebt vom “einfach machen” und “lass es dir beibringen”, zumindest am Anfang. Wer weitere Fragen zu diesem Thema hat, kann sie gerne durchstecken und ich versuche mich der Sache anzunehmen. over and Out!

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist