Mein persönlicher Einstieg in die Langzeitbelichtung

Als ich ein nahezu unmöglich scheinendes Bild einer Langzeitbelichtung getwittert hatte, welches die Startbahn eines Flugzeuges zeigte, haben viele gefragt, ob ich denn auch gerne Langzeitbelichtungen mache. Die Antwort ist einfach: JA! Danach ging es in Gesprächen um das blanke Doing. Wie geht man ran, an so eine Langzeitbelichtung? Was brauch man an Ausrüstung? Wann ist die beste Zeit dafür?

Langzeitbelichtung einer Ortschaft

Langzeitbelichtung einer Ortschaft

Wie ihr an obigen Bild seht, bin ich weit von guten Ergebnissen entfernt. Das Bild zeigt meinen ersten Versuch einer Langzeitbelichtung der Dorfhauptstraße bei mir ums Eck, aber ich kann an diesem Bild sehr gut erklären, was ich schon allein an diesem einen Abend gelernt habe. Doch zunächst packen wir die Fototasche:

Ausrüstung für den abendlichen „Fotowalk“
 

  • Canon EOS 600D
  • Sigma 18-200 OS DC
  • Stativ Hänel 30 Triad Lite
  • Kabel-Auslöser mit Arretierung

 
Das war es schon, was ihr braucht. Kamera, Stativ, Objektiv und Auslöser. Zur Wahl des Objektivs. Da ich in engen Gassen fotografieren wollte, bot sich natürlich ein Objektiv mit sehr geringer Anfangsbrennweite an. Das niedrigste was ich da habe ist das Sigma 18-200 OS DC. Es ist nicht das lichtstärkste Objektiv meiner Sammlung, aber darauf kommt es auch nicht unbedingt sooo an. Viel wichtiger ist die Zeit. Am genialsten finde ich Langzeitbelichtungen, wenn sie abends zur blauen Stunde gemacht werden. Dieser Zeitraum wird beschrieben als die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Nacht. Dieser Zeitraum bringt euch zwei entscheidende Vorteile. Zum einen seid ihr das direkte Sonnenlicht los, zum anderen habt ihr ein fantastisches Himmelblau auf euren Bildern, welches prima für die Verstärkung von Kontrasten ist. Allerdings empfiehlt es sich zum einen zu Beginn der blauen Stunde schon vor Ort zu sein und ihr benötigt auch noch einige Zeit um eure Einstellungen zu tätigen bevor es los geht. Daher also kurz vor Sonnenuntergang los marschieren.

Langzeitbelichtung Tankstelle

Langzeitbelichtung Tankstelle

Jetzt zu meinen Erfahrungswerten die ich euch hier in 3 einfachen Merksätzen formuliere, damit ihr sie schneller umsetzen könnt:

1. Wähle eine Lokation die nicht eben ist
 
Begründung: Ich habe gemerkt, dass die Bilder ziemlich langweilig werden, wenn einfach ein weißer oder roter Streifen einmal quer durch verläuft. Es bietet sich also an, Steigungen oder Senken zu fotografieren, Kurven, also alles was einen schönen Verlauf aufs Foto zaubert und die Aufnahme so spannender macht. Denkt eventuell auch an einen ungewöhnlichen Blickwinkel, z.B eine Diagonale nach. Bringt Spannung und sieht einfach besser aus

2. Rechtzeitig und manuell eingestellt ist halb gewonnen
 
Begründung: Sobald es dunkel wird und ihr etwas fotografiert, dass schlecht beleuchtet ist, könnt ihr nicht mehr fokussieren oder eure Fokuspunkte neu wählen. Deswegen bietet es sich an, die Kamera auf- und einzustellen so lange es noch hell ist. Überlegt euch rechtzeitig, was ihr scharf haben wollt, wie das Licht fallen wird und wie ihr eure Einstellungen wählt. Schaltet vor allem den Autofokus aus, denn der bringt in der Dämmerung nur noch wenig Effekt. Stellt vorher auf einen Punkt manuell scharf und alle Bilder in die Richtung werden gleich scharf.

3. Habt Spaß an der Sache
 
Begründung: Das wichtigste am Fotografieren überhaupt, ist der Spaß am Vorgang selbst. So ist es auch in der Langzeitbelichtung. Probiert viel herum. Auch wenn dann 99,9% der Fotos mistig sind, so habt ihr auf jeden Fall immer einen Lerneffekt und viele Erfahrungswerte auf die ihr beim nächsten Mal zurückgreifen könnt. Das verbessert das Ergebnis. Immer.

Abschließend lege ich euch noch zwei Tipps ans Herz. Zum einen, solltet ihr euch sputen bei euren Experimenten in der blauen Stunde, denn anders als der Name vermuten lässt habt ihr eher so 20-30 Minuten Zeit 😀 Zum anderen empfehle ich euch auch unbedingt mal den Einsatz von Filtern zu versuchen. Der Sternfilter macht zum Beispiel nette kleine Effektlichter aus den Straßenlampen. Ich begebe mich in der nächsten Zeit, so dass Wetter besser wird, auf jeden Fall noch einmal auf eine solche Expedition und versuche etwas brauchbares herzustellen. Außerdem würde ich wahnsinnig gerne mal am Flughafen eine Langzeitbelichtung machen, denn DAS gibt hammermäßige Ergebnisse, wie ihr hier sehen könnt (danke an Salendron für den Link!) Wenn ihr noch Fragen habt, immer her damit, vielleicht kann ich sie für euch klären 🙂

Moon and Stars

Moon and Stars

Das man mit der Langzeitbelichtung auch noch viel kreativer arbeiten kann, zeigt folgendes Video, in dem der Fotograf bewusst zu lang belichtet um Unschärfe und Dynamik zu erzeugen. Gefällt mir persönlich auch ganz gut 🙂


Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de – Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist

  • Langzeitbelichtungen bei Nacht sind auch meine Spezialität, das mache ich eigentlich am Liebsten. Es gibt einfach so viel auszuprobieren mit Belichtungszeit, Blende, Iso, Stacking und und und, dass das nicht so schnell langweilig wird! 🙂

    • blendstufe

      Sehe ich genauso. 🙂 Macht viel Spass!

  • Christian Möller

    Also als tipp. Einfach den Fokus auf manuell Stellen und den Fokusring auf unendlich Stellen. Dann ne blende 8-10 wählen. Und dann wird auch alles scharf.