Mehr Empathie wagen

Zum heutigen Freitag und für euer Wochenende gibt es hier mal einen etwas anderen Beitrag, welcher mir aber schon sehr lange auf dem Herzen liegt. Er musste raus. Denn immer mehr sehen wir in unserer Welt Dinge die nicht stimmen.

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Symptome

Das etwas nicht ganz richtig läuft sehen wir alltäglich und überall. Im großen bei Politikern, die anstatt Milliardenbeträge für Bildung und Rettung derer auszugeben, die zu Hunderten im Meer versaufen selbiges in die Rettung von Großkonzernen und Banken stecken. Man sieht es in der Gesellschaft, wo Notunterkünfte angezündet werden, wo den Menschen das Bienensterben scheißegal ist, Hauptsache es gibt Tomaten für 3 Cent das Stück (Anm. d. Autor: Übertreibung, die – Stilmittel) oder den Liter Milch für 30 Cent wobei die Tiere krank sind, stehend mehr sterben als leben. Man sieht es im kleinen, wo Kinder andere Kinder schlagen, das filmen und sich damit brüsten. Wo übergewichtige Mädchen aus Angst vor Mobbing und Repressalien nicht ins Freibad wollen und wo der „Ich klag euch den Hintern weg“-Wutbürger lieber auf Facebook bei Firmen-Gewinnspielen bei Rechtschreibfehlern einen Shitstorm aus der Taufe hebt anstatt zum Beispiel der alten Nachbarin beim Einkaufen mal etwas mitzubringen.

Wir verrohen. Wir versinken in Sexualisierung, Wortklaubereidebatten und Untätigkeit gegenüber derer Dinge, die wirklich richtig schief laufen. Wir feiern Steuerhinterzieher als Vereinsbosse, weil sie viel für den Fussball getan haben und verachten im gleichen Atemzug einen Fussballer für seine Arroganz obwohl dieser in seinen jungen Jahren schon zwanzig mal so viel für Charity ausgegeben hat als Neureiche-Prolofamilien die bei uns Werbung für Stromanbieter machen. Wir feiern und teilen Texte von Künstlern die „wissen wer der Babo“ ist anstatt darüber nachzudenken, warum wir statt dessen unseren Kindern nicht beibringen zu singen zu tanzen und zu lachen.

Das alles und noch so unendlich viel mehr läuft schief. Ihr seht es. Jeden Tag.

Das Geschwür

Die Krankheit die uns Umgibt, Einhüllt und Vernebelt heisst nicht Armut.Sie heisst auch nicht Verbrechen oder Hass. Das Geschwür dass uns in seinem abartigen Griff hat heisst Empathielosigkeit. Wir haben das Mitleid verloren und die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen und zu erkennen, was unsere Taten für die anderen bedeuten und welche Konsequenzen sie haben. Das fängt bei den Kleinsten an, die achtlos Insekten quälen (im besten Fall, denn aktuell quälen sie lieber ihre Artgenossen), Pflanzen ausreißen und anderer Leute Eigentum zerstören. Mutwillig. Niemand hat ihnen beigebracht, dass jedes noch so kleine Leben kostbar, wertvoll und wichtig ist und so zünden sie Tierbabys lieber an, als sie gesund zu pflegen und zu peppeln. Eine Stufe größer, in der Schulzeit in der sich alle Weichen für die Zukunft stellen, prügeln sie sich, unterdrücken einander in alltäglichen kleinen Gesten und Verhaltensweisen vom Mobbing bis zu Gewaltakten. Noch eine Etage höher fehlt ebenfalls die Empathie und so wird weggesehen und in Einzelfällen dieses Verhalten nicht nur vorgelebt sondern aktiv gefördert und verstärkt. Das einzig gute daran? Es gibt Hoffnung!

Heilung

Die einzige Aussicht auf eine Gesundung bietet euer Verstand und die Chance, Empathie zu erlernen. Ja, richtig. Empathie ist erlernbar. Schmerzhaft und am eigenen Leib aber erlernbar. Ihr könnt euch in Gedanken in einen Menschen hineinversetzen, den ihr gerade noch verlacht habt, weil er stürzte. Ihr könnt sehen, dass er vielleicht verletzt ist und helfen. Damit tut ihr euch nicht nur selbst einen Gefallen sondern lebt anderen auch noch vor, wie es sein sollte. IHR ALLEIN habt die Macht euren Kindern zu lehren, dass es absolut katastrophal ist, wenn tausende Menschen aus ihrem Leid flüchten und wenn sie nicht dabei ertrunken sind, vor brennenden Notunterkünften stehen. Das es nicht nur eine Tragödie für die Einzelnen ist, sondern das Totalversagen der kompletten Menschheit und Menschlichkeit. Seid Menschen. Lernt Mitleid. Lebt es. Lebt es vor und wir alle haben eine Zukunft.

Möglichst viele Leiden kraftvoll in Freuden zu verwandeln, das ist das rechte Mitleid. (Friedrich Lienhard)

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist

  • Tuxpower

    Respekt! Guter, wichtiger Text!