Klassenkampf – MPOW Swift und Jabra Sport Pulse Wireless im Test

Egal was du tust, das Leben braucht Balance. Ein Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Hobby und Familie, zwischen Kopf und Seele, darum drehen sich mittlerweile sogar ganze Seminarwochen für Topmanager. Auch in meinem Leben bin ich auf Balance angewiesen und so suche ich im Sport den Ausgleich zu Beruf, Familie und zur Fotografie. Bei mir ist der sportliche Aktivitätenplan zu 90% gefüllt vom Fahrrad fahren. Ich liebe es, mein Mountainbike durch den Spessart zu jagen. Doch dafür habe ich mir Unterstützung geholt und bin der Frage nachgegangen, ob billig gegen hochpreisig gewinnen kann oder anders gesagt – warum teuer wenn es auch günstig geht?

Jabra Sport Pulse Wireless vs. MPOW Swift

Jabra Sport Pulse Wireless vs. MPOW Swift

Vorwort

Bevor jetzt die ersten schreien, dass Kopfhörer und Musik auf der Straße und von Rechts wegen in der STVO untersagt sind, möchte ich dem Test ein paar Worte voraus schicken. Ich fahre Mountainbike im Spessart, also zum größten Teil im Wald und dank meines Wohnortes mitten drin mit unheimlich vielen Höhenmetern. Also nichts mit Straße, selten mal für ein paar Meter nehme ich am Straßenverkehr teil. Aber ich brauche zum Trainieren was aufs Ohr. Meine eigenen Gedanken sind nach einem anstrengenden Arbeitstag meist nicht sehr erbaulich und wenn man dann mit gefühlten 0.000001 km/h einen Berg hoch strampelt kommt einem die Zeit doch recht lang vor. Genau für solche Momente empfinde ich Musik als total hilfreich. Genau für diese Momente habe ich ein paar Kopfhörer gesucht. Meine Anforderungen waren dabei klar umrissen. Keine Kabel, guter Sitz, guter Klang und wenn möglich die Chance mit dem Headset auch zu telefonieren. Alles andere, was ein Kopfhörer darüber hinaus bietet ist Kür. Wichtig war mir jedoch die Pflicht. Ich habe mir also zwei unterschiedliche Empfehlungen geholt. Zum einen kamen von Twitter viele Hinweise auf das MPOW Swift Headset. Zum anderen habe ich von Bloggerkollegen Tipps für das Jabra Sport Pulse Wireless Headset erhalten. Was lag da näher, als beide Geräte miteinander zu vergleichen und mich am Ende für eines zu entscheiden? Nichts. Los gehts!

der Preis-Champion

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Beginnen wir beim Preis/Leistungs-Tipp, den ich von vielen meiner Leser erhalten habe, dem MPOW Swift. Für nicht mal 25 €uro bekommt der Käufer hier laut Herstellerangabe ein Bluetooth 4.0 Headset mit Freisprechfunktion, wechselbaren Ohrstöpseln und Stabilisatoren sowie einer Spieldauer von rund sechs Stunden. Das liest sich richtig gut, insbesondere wenn man den Preis bedenkt.

Beginnend bei der Verarbeitungsqualität der MPOW Swift konntr ich folgendes feststellen. Die Kopfhörer sind gut verarbeitet, besitzen auf dem rechten Kopfhörer eine Lautstärkewippe und einen Multifunktionstaste mit ordentlichem Druckpunkt und solider Bedienbarkeit. Ab und an knarzt der rechte Kopfhörer beim drücken der Multifunktionstaste, aber das empfinde ich nicht weiter als störend. Gehen wir weiter zum Thema Tragekomfort und Passform. Durch die vielen mitgelieferten Ohrstöpselgrößen und die ebenfalls beigelegten Stabilisator-Größen lässt sich das Swift relativ genau auf eure Ohren anpassen. Auch bei meinen Ohren hat das Swift nach einigen Anpassungen sehr gut gepasst. Allerdings gibt es Abstriche beim Tragekomfort. Nach bereits fünfzehn Minuten beginnen die Kopfhörer unangenehm im Ohr zu drücken. Wenn ich dann jeweils die kleineren Ohrstöpsel und Stabilisatoren verwende, hält das Headset beim Sport nicht mehr richtig.

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Unter dem Fahrradhelm sitzen die Kopfhörer, dadurch dass sie recht schlank gebaut sind, ziemlich gut und erhalten durch den Helm keinerlei Zug oder Druck. Ein wichtiger Fakt, denn wäre dies der Fall würde sich der Tragekomfort noch weiter verschlechtern. Kommen wir aber mal zum Sound. Wohl dem Preis geschuldet klingt Musik auf dem MPOW Swift zwar gut, jedoch in den Höhen etwas zu Blechern und in den Tiefen nicht besonders Voluminös. Die Lautstärke ist in Ordnung, leider kann man aber in einigen Musik-Apps weder durch die Lautstärkewippe noch durch den Multifunktionsknopf mit dem Headset Titel überspringen oder zurückgehen. Für mich fast schon ein Dealbreaker, da dieser Bug meine Lieblings-App Soundcloud betrifft. Die Bedienung der Swift als Freisprecheinrichtung geht dabei sehr intuitiv und einfach über die Bühne. Allerdings ist die Gesprächsqualität sowohl beim Laufen als auch beim Biken unbrauchbar. Man wird vom Gegenüber nicht verstanden, versteht aber den anderen Gesprächsteilnehmer recht gut.

Ohrstöpsel und Stabilisatoren beider Headsets

Ohrstöpsel und Stabilisatoren beider Headsets

Fassen wir zusammen. Für den Preischampion stehen gute Anpassbarkeit, lange Akkulaufzeit, gute Verarbeitung und gute Bedienbarkeit auf der Haben-Seite. Als gerade so akzeptabel empfinde ich den Sound des Headsets. Punktabzug gibt es für die Freisprechfunktion, den von mir erwähnten „Bug“ und für den Tragekomfort. Ob es für eine Kaufempfehlung reicht, erfahrt ihr am Ende des Posts, denn es geht zunächst weiter mit dem Konkurrenten.

Die Edel-Variante

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Schon allein die Verpackung der Jabra Sport Pulse Wireless lässt erkennen, dass diese Kopfhörer zumindest preistechnisch in einer ganz anderen Liga spielen als die Swift. Ein schick aufgemachter Karton eine ausführliche Bedienungsanleitung, ein extra Täschlein und ebenfalls reichlich Ohrstöpsel und Stabilisatoren zum Anpassen darf der Käufer des Sport Pulse Wireless auspacken. Abgesehen von der Hardware bietet Jabra auch zwei Applikationen an, welche dieses Headset begleiten. Mit Jabra Sound und Jabra Sport Life soll dem Käufer ein erheblicher Mehrwert verschafft werden. Doch dazu später mehr.

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Die super Verarbeitung des Jabra macht sich schon beim ersten Anfassen deutlich und dieser durchweg positive Eindruck hat sich mir auch im weiteren Testverlauf bestätigt. Das gummierte Headset gibt mächtig guten Halt, die Lautstärkewippe und die Multifunktionstaste haben einen sehr guten Druckpunkt und nichts knarzt, knackt oder quietscht. Das sehr lange Nackenband der Swift haben mich beim Tragen ab und zu gestört. Bei Jabra hat man dieses Manko auch mitbekommen und mit Mini-Kabelklammern als Packungsbeilage Abhilfe geschafft. Der Anwender kann sich damit das Kabel auf seine bevorzugte Länge kürzen. Auch im Tragekomfort sind die Sport Pulse Wireless richtig gut und sehr angenehm im Ohr. Leider erhalten sie vom Fahrradhelm bei mir einen leichten Druck, da sie wegen der Pulsfunktion etwas Dicker gebaut worden sind. Das drückt dann nach etwa einer Stunde Fahrt etwas unangenehm im Ohr. Die Lösung brachte bei mir hier die Anpassung über etwas größere Ohrstöpsel und etwas kleinere Stabilisatoren, denn damit habe ich den Druck auf dass Außenohr durch den Helm und den Stabilisator gemindert und den Halt des Headset im Innenohr durch den größeren Stöpsel erhöht. Damit kommte ich nun sehr gut klar.

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In puncto Klang und Gesprächsqualität der Freisprechfunktion ist das Jabra dem Swift deutlich überlegen. Die Bässe kommen satt und fett, die Höhen sind voll da und nicht blechern. Auch die Lautstärke geht in Ordnung und selbst beim Fahrrad fahren konnte mich ein Anrufer gut verstehen. Deutlicher Punktsieg hier also für Jabra. Es gibt allerdings auch zwei Mankos, ein Großes und ein Kleines. Das kleinere Manko sind kurze Signalaussetzer beim zu starken drehen des Kopfes. Wenn ich über die rechte Schulter direkt hinter mich auf den Radweg sehe geht manchmal für eine Milisekunde der Ton weg. Das passiert selten, aber passiert. Der größere Punktabzug erfolgt für die Akkulaufzeit. Etwa vier Stunden Laufzeit habe ich bei dem System rausbekommen. Das ist an sich ok,nutzt man jedoch die Puls-Messfunktion verringert sich die Laufzeit deutlich und ich hatte in etwa zwei Stunden Spieldauer.

Apropos Puls messen. Das Jabra zeichnet sich nicht nur im Klang, dem Tragekomfort und der Verarbeitung aus, sondern auch in den Sonderfunktionen. Mit der Jabra Sport Life App ist das Headset in der Lage, euren Puls zu messen, euer Workout gezielt zu Coachen und euch zu sagen, wann ihr in welchem Trainingsbereich seid. Ich persönlich verzichte aber zumindest beim Biken auf diese Funktion, da ich eher mit der Runtastic MountainBike Pro App arbeite. Und mal ganz ehrlich, wenn ich mich eine 2km 13% Steigung hoch quäle weiss ich selbst, dass mein Puls hoch schnellt und mein Training in der „Intensivzone“ liegt 😛 – Ein weiteres wichtiges Kriterium, welches für die Sport Pulse Wireless spricht, ist die IP55 Zertifizierung. Das heisst euer Headset ist geschützt vor Stürzen, Feuchtigkeit, Dreck und Temperaturschwankungen. Also genau das richtige für jeden Tag und besonders dreckige Biketouren.

Jabra Sport Life
Entwickler: GN Audio AS
Preis: Kostenlos

Jabra Sport Life
Entwickler: Jabra by GN Netcom
Preis: Kostenlos

Fazit

Es gibt, je nach eigenem Geldbeutel, für jeden einen Bereich des Lebens, in welchem er nicht spart. In diesem Bereich gibt es auch keine Kompromisse. Die MPOW Swift Kopfhörer sind für mich ein Kompromiss. Man zahlt einen wirklich kleinen Preis, für einen Klang der OK ist, Tragekomfort der nicht optimal ist und Bedienelemente die nicht alle Funktionen unterstützen. Neben dem kleinen Preis bekommt man aber noch eine gute Akkulaufzeit und eine Vielzahl an Anpassungsmöglichkeiten in Form der Stabilisatoren und der Ohrstöpsel. Wer diesen Kompromiss für seinen sportlichen Alltag schließen möchte, der macht mit den MPOW Swift Kopfhören alles richtig. Ich für meinen Teil mache beim Sport keine Kompromisse. Nach mehr als einer Woche mit täglichen Tests kann ich das Jabra Sport Pulse wireless uneingeschränkt empfehlen. Die Kombination aus Tragekomfort, Sound, Funktionalität und Extras in Form von Apps und IP55-Zertifizierung haben für mich trotz des etwas schwachen Akkus zu einer klaren Kaufempfehlung, wenngleich der Preis mit 199€ vergleichsweise hoch ist. Ich hoffe Jabra bekommt mit dem einen oder anderen Update noch die ab und an auftretenden Signalaussetzer weg, denn das ist so das einzige was mich an diesem Headset wirklich stört.

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Nutzt ihr kabellose Headsets beim Sport? Welche?

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist

  • Dot_2010

    bitte nicht vergessen:
    im STVO ist das tragen von inOhr Kopfhörer in beiden Ohren nicht gestattet. Man muss immer den Verkehr hören deshalb selbst über Ohr nur bedingt geeignet. Ich habe von Aiwa noch Kopfhörer die mit einem Plastikbügel hinter um den Hals am Ohr aussehen wie imOhr stehen dennoch davon ab stahlen jedoch ins Ohr rein. So hört man alles und zwar auf beiden Ohren. Der Sicherheit schon wegen fahre ich Skates & Co nur mit diesen.

  • A B

    Hi,
    man kann durch langes drücken der +/- Taste die Lieder vor oder zurück schalten.
    Mit Spotify klappt das ganz gut.

    Gruß
    Alex

    • Hi! Bei den Jabra auf JEDEN Fall ^^