Ich möchte auch gern mal von dir fotografiert werden!

Stellen wir uns vor, du, mein hoch geschätzter Leser, bist Chef einer Bank. Du hattest einen anstrengenden Tag, die ganze Woche lief nicht so toll für dich. Es war stressig. Du arbeitest hart für dein Geld, wenngleich dir dein Job Spaß macht. Die Tür öffnet sich, eine charmant aussehende junge Dame tritt ein. Ohne jede Begrüßung haut sie sich in den Sessel auf der anderen Seite deines Schreibtisches und formuliert folgenden Satz: „Ey gib ma Geld!“

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Dieser jungen Dame gibst du wohl keinen Cent, wenn sie dich nicht noch binnen weniger Sekunden mit dem Geschäftsplan des Jahrhunderts überrascht. So ähnlich sieht es aber aktuell in meiner Mailbox und in meinen Facebook-Nachrichten aus. Es geht nur nicht direkt um Geld, sondern um meine Dienste als Fotograf. Denn als solcher möchte ich, wie jeder Bäcker, Frisör oder Koch auch, meine Arbeit bezahlt haben. Alles, was ohne Bezahlung läuft, steht unter dem Namen „freie Arbeit“ und beruht auf dem Modus TfP. Doch dazu später mehr. Mit freien Arbeiten kann ein Fotograf sein Portfolio erweitern, seinen Schaukasten für potentielle Neukunden. Dafür sucht er sich ein Modell, welches ihr Portfolio ebenfalls aufstocken möchte und die beiden arbeiten zusammen. Dabei muss der Fotograf auf keinerlei Kundenwünsche Rücksicht nehmen und kann einfach kreativ fotografieren, wonach ihm gerade der Sinn steht. Für Berufsfotografen und die meisten anderen Menschen auch ist Zeit Geld. Somit ist jede freie Arbeit, die ein Fotograf in Angriff nimmt eine Investition, die sich zunächst nicht in barer Münze auszahlt. Gerade unter den Hochzeitsfotografen kenne ich viele, die so viele Foto-Termine haben, dass für freie Arbeiten kein oder nur wirklich sehr wenig Kapazität besteht. Diese vergeben dann meist auf Facebook oder ihren Webseiten fürs ganze Jahr so 5 freie Projekte, auf die sich Modelle bewerben können. Solche tollen Arbeiten können bei so einem Projekt entstehen:

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TfP

Der Modus „Time for Prints“, oder in der neueren Fassung auch „time for pictures“ ist für viele Menschen wohl ein Zauberwort und erschafft aus dem Nix für umme tolle Fotos. Tatsächlich beschreibt dieser Modus aber nur, dass Modell und Fotograf ihre Zeit nicht berechnen um gegenseitig in Form von Bildern davon zu profitieren. Dennoch kann es immer sein, dass man Bastelmaterial, eine Maskenbildnerin oder eine Visagistin und nicht zuletzt auch Anreisekosten zahlen muss.

Ich möchte auch mal von dir fotografiert werden

Warum schreib ich diesen Schmarrn nun eigentlich für euch zusammen? Nun, in erster Linie ist dieser Beitrag für Modelle gedacht, die hier und da mal Fotografen anschreiben und nach der Teilnahme bei freien Arbeiten fragen. Ich möchte hier auch gar nicht zusammenrechnen, wer wie viel Geldwert in Form der investierten Zeit oder Material einbringt. Mir geht es darum, dass man mit der Art und Weise der Frage Signale setzen kann. Gerade bei Berufsfotografen die, anders als ich zum Beispiel, nur verschwindend geringe Plätze für tfp-basierte, freie Arbeiten haben, sollte man als Anfragender ein paar Dinge beachten. Das gleiche gilt übrigens für Fotografen, die bei Pay-Modellen nach freien Arbeiten fragen. Niemand arbeitet gern umsonst und deshalb ist die Art der Anfrage entscheidend für ihren Erfolg. Solltet ihr also einen Kreativling nach „kostenloser Arbeit“ fragen, sollte eure Bewerbung zumindest für mich wie folgt aussehen:

Wer seid Ihr? – Das umfasst Namen, Alter und gerne für das Gesamtbild und die Planung, euren Wohnort und eventuell, was ihr so beruflich macht.

Eure Maße? – Gebt dem Fotografen direkt in der Bewerbung eure Maße mit in die Hand. Eventuell hat er ein tolles Kostüm oder Outfit in eurer Größe parat, dass er schon immer mal fotografieren wollte. Es kann nur hilfreich sein!

Was möchtet ihr für Bilder haben? – Viele Fotografen decken ein ganzes Spektrum an Aufnahmebereichen ab. Outdoor, Studio, Aktfotos, Bilder mit sehr aufwändigem Makeup oder Kostümen, Schwarz-Weiss Charakterportaits und vieles mehr. Ihr wollt Bilder? Ok – welche?

Fähigkeiten? – Fotografen profitieren in Bildern oft von den Fähigkeiten der Modelle. Ihr seid Schauspieler? Ihr könnt mega gut Schminken? Ihr seid Sportler? Erwähnt es, das hilft ungemein bei der Ideenfindung.

Accessoirs und Outfits? – Wenn der Fotograf weiß, was ihr für Bilder möchtet und ihr ihm dann schon eine Outfit-Idee präsentieren könnt, steigen eure Erfolgschancen. Es zeigt nicht nur, dass euch das Shooting und die Idee dahinter wichtig sind, sondern auch, dass ihr an einem reibungslosen und erfolgreichem Shootingablauf interessiert seid.

Polaroids / Selfies ? – Wir alle wissen, was man mit Makeup und Photoshop so alles zaubern kann. Damit aber der Fotograf weiß, auf was er sich einstellen muss, und was er für seine oder eure Shootingidee alles organisieren muss, benötigt er von euch Bilder, auf denen ihr ungeschminkt und unretuschiert abgebildet seid. Sowas sieht dann zum Beispiel so aus. Habt ihr keine professionellen Polas zur Hand, tun es zur Not auch Selfies, in gutem Licht. Fügt sie eurer Bewerbung direkt bei.

So erwarte ich eine Bewerbung von einem Modell und ich gebe mir die größte Mühe auch meine Anfrage bei Modellen entsprechend zu gestalten. Klar, manchmal hat man keine rechte Idee und findet nur den Bildstil des Fotografen gut. Dennoch kann man mit ein paar Worten und Details dafür sorgen, dass der Eindruck entsteht, dass euch das Shooting wichtig ist und ihr nicht einfach nur ins Blaue jeden X-beliebigen Fotografen anschreibt um Gratisbilder abzustauben. Wie eine Bewerbung auf keinen Fall aussehen sollte? So:

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Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist

  • Dienstwerks Wortzähler

    Ich bin kein Model (mehr), finde den Artikel aber super interessant. Daran sollten sich einige mal ein Beispiel nehmen. 😉

    Liebe Grüße, Claudia

    PS: Was ich statt modeln jetzt mache? Schreiben, zaubern und träumen – nachzulesen auf meinem Traumzauberblog. http://zaubertraumtagebuch.blogspot.de/

    • Hallo Claudia,

      danke für die Blumen 🙂

      Zeig mal was du vorher gemacht hast 😉

      • Dienstwerks Wortzähler

        klar, ich zeige meine knackigen Bilder hier herum. 😉