Faszination Analogfotografie

In den letzten Jahren gab es viel, dass mich interessiert hat. Wenig jedoch hat mich so begeistert und so infiziert, wie die Peoplefotografie die ich nunmehr seit zwei Jahren intensiv betreibe. Selbst innerhalb dieser Disziplin gibt es Trends die mich mal mitgenommen und mal kalt gelassen haben. Zu ersterem zählt zum Beispiel die Outdoor Availble Light fotografie, zu letzterem zum Beispiel so Sachen wie das Blitzen in der Portraitfotografie. Ein ganz bestimmter Hype kursiert unter den modernen Fotografen aber schon seit einiger Zeit und ist quasi die Wiege der Fotografie, wie wir sie heute kennen.

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Ich spreche hier von der Analogfotografie, ein Virus der auch mich nun infiziert hat. Besser spät als nie. In diesem Artikel möchte ich euch erklären, warum mich die Faszination dieser Art des Fotografierens gepackt hat und was ich mir davon erhoffe. Ebenfalls zeig ich euch, welche Technik ich einsetze und wie in nächster Zeit die Shootingplanungen aussehen. First things first. Beginnen wir bei der Faszination an sich.

Faszination Analogfotografie

Die Wiege der Fotografie ist nicht nur Technik. Sie ist Licht und Moment. Menschen wollten tolle Momente einfangen und für immer festhalten. Der Mensch untersuchte das Licht, forschte in der Technik nach Methoden und Mitteln diesen Traum zu verwirklichen und nach der Malerei fand der Mensch so irgendwann zur Fotografie. Der Mensch entwickelte sich und die Technologie weiter bis zum heutigen Tag, wo er zumeist über Try and Error Bilder erschafft. Er erschafft sie in solchen Massen, dass darunter mitunter am Bild an sich viel verloren geht. Intention, Komposition, Wirkung und echte Momente, die man bereit ist wieder und wieder anzusehen, wurden obsolet. Das ist natürlich nicht bei allen so, aber die günstige Verfügbarkeit von Speicher und die Bezahlbarkeit eines technisch sehr hohen Niveaus in der Kameratechnik führen dazu, dass tonnenweise Bildmaterial entsteht, welches nie das Licht der Welt erblickt.

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Analog sieht das ganze Szenario anders aus. Düsterer. Reizvoller. Analog entschleunigt. Ihr müsst vorher euer Bild machen, im Kopf. So sollte es zwar auch bei der digitalen Fotografie sein, aber es passiert zu selten. Ihr müsst das Licht analysieren um korrekt zu belichten, anstatt dreißig mal den Auslöser zu drücken, bis ihr auf dem 4″ Display das passende Licht seht. Ihr werdet begrenzt in der Anzahl eurer Bilder und müsst euch somit wirklich auf die wesentlichen Momente und Emotionen eures Models konzentrieren. Ihr müsst eure Technik blind beherrschen, denn es gibt pro Frame keinen zweiten Versuch. Jedes Bild kostet. Es kostet Film (ca. 5-10€ je Rolle), es kostet das Entwickeln (ca. 10-20€) es kostet Hingabe und Zeit. Für mich ist die analoge Fotografie das Prozedere, welches maximal auf das Ergebnis orientiert ist und zwar in Perfektion und Effizent. Wie das so lang an mir vorbei gehen konnte? Ich weiss es nicht. Aber nun ist es da. Ich bin angekommen in diesem Virus und suche da mein zweites fotografisches Zuhause, wo andere schon wieder damit aufhören.

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Technik

Angesteckt mit dem Virus hat mich eigentlich so richtig mein Freund Ben, welcher zu jeder Gelegenheit von Besuchern, Modellen und Freunden ein analoges Polaroid schiesst, seine eigenen Filmrollen wickelt und der auch selbst seine belichteten Filme entwickelt. So richtig los ging es aber ein wenig anders. Auf einem Stammtisch lernte ich eine Fotografenkollegin und ihre Rolleicord kennen. Ein richtig hübsches Twin-Lens-Reflex Gerät, welches mich in allererster Line als Accessoir begeistert hat. Auf Bildern, in den Händen eines schicken Models, kommen diese Prachtstücke echt richtig geil zur Geltung.

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So wurde es mehr. Ich kaufte die ersten Rollen Film ließ sie entwickeln und freute mich an den Ergebnissen. Die Rolleicord ist mir dabei allerdings noch ein wenig zu rudimentär und zu schwer zu handeln. Ich fotografiere gern mit ihr, aber ich suchte auch eine Kamera für das Daily-Life. Kurz gestöbert und auf eine fantastisch erhaltene Canon AE-1 mit 50mm 1.8 FD Linse gestoßen. Keine 80€ kostete das Set aus den späten 80ern und ich habe mich vom Fleck weg in dieses kleine 35mm-Geschoss verliebt. Auch die AE-1 sieht dabei als Shooting-Accessoir einfach nur cool aus und sorgt für eine schöne Retro-Stimmung im Bild.

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Meine analoge Zukunft

Ab sofort wird mich die Canon AE-1 nicht nur zu jedem Shooting, sondern auf jedem Ausflug und bei gutem Wetter auch in meinem täglichen Leben begleiten. Ich möchte durch sie die Fotografie mehr erleben, intensiver genießen und lernen. Dinge wie richtige Belichtung auch ohne Belichtungsmesser, das Schulen des Auges und vieles mehr stehen dabei auf dem Lehrplan. Auch wird es ab sofort in jedem Shooting mit einem Modell auch einen Analog-Session-Teil geben, wo ich mit der AE-1 und/oder der Rolleicord fotografieren möchte. Über kurz oder lang möchte ich mich so Ergänzen, dass ich das Bulk Loading erlernen und meine gemachten Bilder auch selbst entwickeln und digitalisieren kann. Es soll mehr werden als ein Hobby, sondern fester Bestandteil meines fotografischen Lebens.

Natürlich halte ich euch über den Verlauf dieser Leidenschaft auf dem Laufenden, denn wie wir alle wissen, können manche Leidenschaften schneller vergehen, als sie kamen. Zumindest mein Plan sieht das aber nicht vor und ich freue mich total auf meine Ergebnisse mit den Analogen Kameras – happy shooting! Was für tolle Bilder dabei entstehen können seht ihr auch in einem monatlichen Blog meines Lieblings-Filmlabors. Klickt euch da ruhig mal durch!

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Wie sieht das denn bei euch aus? Fotografiert ihr analog? Wenn ja, warum? Und wenn nein – warum nicht? Hört ihr gerade damit auf und wendet euch nur der Digitalfotografie zu? Erzählt es mir gerne hier, das interessiert mich wirklich.

P.S.: Wer noch eine Inspiration zu diesem Thema sucht, der sollte sich die „Abenteuerfilme“ von Stefan Lister ansehen. Er geht mit euch auf Analog-Tour und erklärt in mehreren Videos nicht nur, worauf es ankommt, sondern holt euch ab und nimmt euch mit in die Faszination Analogfotografie.

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de – Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist