Erweitere deinen Horizont, um dich zu beflügeln

Was in der Headline klingt, wie die Ansprache eines Sektenführers ist in Wirklichkeit ein altbewährtes Konzept um sich selbst und seinen Charakter, Fähigkeiten und seine Einstellung zu erweitern. Im Neusprech heisst das ganze wohl „raus aus der Filterbubble“. Einfach mal was anderes machen, sich andere Dinge angucken, die bis dato mit dem eigenen Universum nichts zu tun hatten. Das habe ich dieser Tage einfach mal getan und habe mir einen Stylus bestellt. Wie dieser mich bereichert hat, lest ihr in diesem Artikel.

Pencil by 53

Pencil by 53

Wie es begann

Einige von euch werden lachen und sagen – „Klar, der bestellt sich nen Stylus und sein Horizont erweitert sich“! Ganz ehrlich habe ich anfänglich damit selbst nicht gerechnet. Ich bin eigentlich ein Fan der Fingerbedienung, egal ob bei iPhone oder bei iPad oder anderen Tablets. Als man mir den Pencil by 53 angeboten hat, hat mich eigentlich nur das schicke Holzdesign interessiert. Ein Stylus der anders aussah, irgendwie edel und nicht der sonstigen Norm entspricht. Wo andere Stylus rund wie ein Kugelschreiber sind und eine Gummi-Ballonspitze haben, kommt der Pencil in richtig edler, dunkel gehaltener Holzoptik mit spitz zulaufender Gummispitze. Dazu ist am oberen Ende eine Radiergummiseite, ebenfalls aus Gummi. In der schicken runden Verpackung aus recyclebarem Material befinden sich dazu noch jeweils eine Ersatzspitze für jede Seite und die Anleitungen. So weit so gut. Noch fix die passende Paper-App der Jungs heruntergeladen und ich war ready zum Zeichnen, was ich in meinem Leben außerhalb des Schulunterrichts noch nie getan habe. Naja zumindest fast ready. Dass ich im Leben mal einen Stift updaten muss, hatte ich mir ja vorher auch nie träumen lassen 😀

Pencil Update

Pencil Update

Ernüchterung auf ganzer Linie

Was dann folgte war erstmal ein Schlag ins Gesicht. Ich konnte mit dem Stift nicht umgehen. Er war nicht präzise zu führen, Linien deckungsgleich aneinander zu zeichnen war nicht möglich für mich. Ich war enttäuscht und merkte, dass ich nicht kreativ genug bin, Dinge aus dem Kopf in schön zu zeichnen. Also versuchte ich etwas anderes. Abzeichnen. Ein Bildchen aus dem Netz aufs iPhone, am iPad abmalen war dann meine Taktik. Mit einem Erfolg den ein Bloggerkollege auf Instagram als „wie ein Kleinkind“ bezeichnete. Er hatte recht. Das war nix. Doch seht selbst:

Maus/Känguru Skizze

Maus/Känguru Skizze

Fertiges Mausguru

Fertiges Mausguru

Mein Problem war einfach, dass ich das Gefühl hatte,mit der dicken Spitze des Pencil nicht genau sein zu können und sah mich im Netz bereits nach Stylus mit Fine-Art-Spitze um, wie etwa dem JOT Touch. Doch aufgeben wollte ich nicht und begann nach Video-Tutorials auf Youtube zu suchen. Ich fand einige, nichts gelang richtig. Besonders die Lupe der Paper-App, welche einem ein etwas genaueres Arbeiten ermöglichen soll, brachte mich oft zur Weißglut, denn man muss sie verschieben,wenn man einen anderen Bereich des Bildes vergrößern möchte. Das klappte nur nie recht und so verwischte ich bloß meine Zeichnungen. Erlösung brachte ein Video in dem die App „Procreate“ vorgestellt wurde.


Procreate zeige ich euch in gesonderten Artikeln noch näher, wichtig aber bei dieser Geschichte ist, dass Procreate stark an Photoshop angelehnt ist. Man kann die Pinselspitzen vergrößern oder verkleinern, die Deckkraft der Pinselspitzen verändern, nondestruktiv mit Ebenen arbeiten und sogar die Pinselspitzen verändern wie man möchte. Nach dem Zeichnen lässt sich das fertige Werk als JPG, PNG und procreate-Datei abspeichern, aber auch als Photoshop-Datei exportieren. Geiles Tool. Ich war angefixt und das Beste dieser App ist, dass man sein Zeichenblatt rein und rauszoomen kann wie man will und mag. Mit zwei Fingern. Man kann es drehen, ziehen, spiegeln, einfach alles machen was es braucht. Hier konnte der Pencil seine Stärke als unheimlich guter Stylus ausspielen, trotz der dicken Spitze.


Studie einer Frau - Rückansicht

Studie einer Frau – Rückansicht


Langsam schleichende Sucht

Ich fing also an, mit dem Pencil und procreate einfache Zeichnungen zu machen. Es gibt viele tolle Zeichenschulen im Internet, die einem Linienführung, Objekte und Portraitzeichnungen vom ersten Pinselstrich bis zur letzten Schattierung kostenlos erklären. Ich habe mich an die Zeichenschule von Eni-Art gehalten. Simple Linien, etwas Perspektive und der Rest wird von deiner Vorstellungskraft erledigt. Schon nicht schlecht, dachte ich mir, der ich noch nie gezeichnet habe. Das Gewicht des Pencil ist dabei so optimal und gut ausbalanciert, dass man diesen Stylus einfach gerne führt und sich freut, jedes Mal wenn einem etwas anderes, neues, besser gelingt. Es folgte ein Dauergrinsen im Gesicht, mit Vorfreude auf den Abend, ein Glässchen lieblichen Weißen, Musik dieses genialen jungen Mannes, direkt vom iPad in mein Ohr, viele digitale Zeichenblätter und mein Pencil. So saß ich da, Abend für Abend, mit richtig Lust aufs Zeichnen. Ich machte weiter mit einfachen Studien bestimmter Körperteile, wie dem Auge, oder der Gesichtspartien. Realistic Drawing wird es zwar bei mir vielleicht nie werden, schon gar nicht ohne Vorlage, aber ich hatte und habe Spaß und sah eine schöne Entwicklung.

Basic Eye

Basic Eye

Detailed Eye

Detailed Eye

fast ein "realistic eye"

fast ein „realistic eye“

fertige Studie - das Auge

fertige Studie – das Auge

Solche Fortschritte haben, neben der unglaublich motivierenden und abendfüllenden Wirkung auch noch einen richtig geilen Nebeneffekt für mich als Fotograf. Man lernt durch das Zeichnen unheimlich viel über Perspektive, Gestaltung, Ausrichtung, den Körper als solches und über die ganzen Hilfslinien derer man sich bedienen kann. Beim Zeichnen kommt einem auch auf jeden Fall die „Palm Rejection“ des Pencil zugute, die auch in Procreate unterstützt wird. Dabei handelt es sich um eine Technik, die verhindert, dass der Handballen beim Auflegen auf das Display als Eingabegerät wahrgenommen wird und somit zeichnet. Ist der Pencil verbunden, passiert genau das nicht. Ich persönlich brauche die Radiergummiseite des Pencils nicht, da ich ihn als Spitze in Procreate verwende. Daher hätte mir ein radiergummiloses Design noch einen Ticken besser gefallen, aber ich meckere mal nicht. Ich bin hoch zufrieden und fühle meinen Horizont deutlich um das Zeichnen und aller positiver Eigenschaften die es mit sich bringt erweitert. Damit ihr euch eine Vorstellung vom Pencil und der Zeichnerei auf dem iPad machen könnt, habe ich euch auch ein kleines Video dazu geflimt. Kamera ab!

Kaufen oder nicht?

Fakt ist für mich, der Pencil ist ein außergewöhnliches Schreib- und Zeichengerät. In Sachen Style, einfaches Handling und Funktionalität lässt er bei mir keine Wünsche offen. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich noch nie einen hatte, aber aktuell fällt mir nichts ein, das ich anders haben möchte. Einzig eine Art Befestigungsmöglichkeit fehlt mir, um den Pencil nicht immer lose in der Tasche haben zu müssen, sondern ihn immer am iPad zu haben wäre cool.

Pencil by FiftyThree Eingabestifte für iPad, iPhone – Grafit
Neupreis: / Gebraucht ab:
125 Bewertungen

In der günstigen Graphit-Ausführung kostet der Stift rund 60 €uro. Das ist zwar, bedenkt man die breite Auswahl an günstigeren Eingabestiften, durchaus eine Hausnummer, aber er ist es meiner Meinung nach wert. Die Verarbeitung ist exzellent, Ersatzteile dabei, Anleitungen umfangreich, Design und Funktionalität richtig genial. Ich kenne durchaus viele Leute die für Horizonterweiterung ein vielfaches dessen ausgeben 😛

Pencil by FiftyThree Eingabestifte für iPad, iPhone – Walnuss
Neupreis: EUR 63,09 / Gebraucht ab: EUR 50,00
125 Bewertungen

In der Holzvariante schlägt der Pencil mit etwa 15 €uro mehr zu Buche, ob einem das wert ist, muss jeder selbst für sich wissen. Ich habe meinen Pencil kostenlos für diesen Test bekommen, müsste ich ihn selbst kaufen, würde ich mir dennoch dieses wunderschöne Walnuss-Holz holen. Es ist einfach zu schick. Die kostenlosen Apps „Paper“ finde ich persönlich nicht besonders gut gelungen, einzig die Option seine Zeichnungen als fertiges, gedrucktes Buch zu ordern birgt einen gewissen Reiz. Ich denke ich bleibe dennoch bei procreate, welches ich euch auf jeden Fall noch detaillierter vorstellen werde. Ich jedenfalls habe ein neues, absolut tolles Hobby und selbst wenn meine Zeichnungen künftig wieder so aussehen, wie die Känguru-Maus ganz da oben, habe ich wenigstens Spaß gehabt 😀

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist

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