Das Buch, mit dem ich nicht warm wurde

Wer mich in den sozialen Netzwerken etwas verfolgt, der hat mitbekommen, dass 2015 für mich ein großer Schritt in Sachen Fotografie werden soll. Neben vielen tollen Shootings und vielen geplanten Stunden in Sachen autodidaktische Weiterbildung habe ich mir auch ein paar Workshops vorgenommen. Den Anfang macht ein Einzelcoaching bei Jamari Lior, von der ich begeistert bin, seit ich das erste Mal von ihr in einem besonderen Buch las.

Jamari ist mit ihren Bildern für mich ein unscheinbarer Paradiesvogel. Man geht oft zu schnell an ihren Fotos vorüber, vermutet vorschnell Kitsch oder Einhorn-Farbkotze wie bei manch anderen Künstlern. Dies ist eher nicht mein Geschmack. Blickt man aber länger auf ihre Fotos, so offenbart sich relativ schnell ihr Können, ihre Erfahrung und ihr kreativer Geist. Nicht gerade selten sitze ich vor ihren Bilder und frage mich einfach nur, wie sie gemacht worden sind. Um mich auf den Workshop einzustimmen, habe ich mir die Tage ihr zweites Buch bestellt, „Inszenierte People-Fotografie“, welches heute Nachmittag ankam.

Ich bin sofort darüber her gefallen. Wie bei dem letzten Werk, das ich von ihr las, hoffte ich auf richtig gute Tricks, starke Anleitungen mit „Muss-ich-nachmachen“-Charakter. Weit gefehlt. Denn dieses Buch zeigt zwar diverse Formen der Portraitfotografie in verschiedenen Inszenierungen, doch auf ein How-To wartet man vergeblich. Vielmehr werden Vertreter der einzelnen Richtungen vorgestellt und ihre Werke gezeigt. Mit diesem Buch wurde ich nicht warm. Enttäuschung machte sich breit. Ich wollte es gerade schon weg legen, als ich über die tolle Fotoserie von Dorothée Hartmann stolperte. In dem Moment als ich diese Bilder sah, begriff ich auch den Sinn dieses Buches.

„Inszenierte People-Fotografie“ ist weniger ein Workshop im eigentlichen Sinn. Nein, dieses Buch versucht euch beim Verstehen zu helfen. Was macht ein Foto besonders? Welche Richtungen gibt es, wie bewegt man sich in ihnen und wie bricht man ihre Regeln auf? Diese und weitere Fragen beantwortet Jamari Lior nur mit Bildern und ein oder zwei kleinen Merkboxen. Eine richtig tolle Sache. Man sollte dieses Buch weniger lesen, als viel mehr einfach schauen. Selbst die Bilder analysieren, versuchen zu interpretieren und danach Jamaris Texte lesen und schauen, ob man es „richtig“ gemacht hat. Sicher, das eine oder andere Mal, wie etwa schon bei dem Foto auf dem Cover, fragt man sich wie es wohl entstanden sein mag und wünscht sich ein „Arbeitsbuch“ dazu. Aber dieser Band führt euch eben anders an euer Ziel. Wer Bilder lesen kann, wer bilder deuten kann und wer Bilder interpretieren kann, der kann im Prinzip im Geist sein eigenes Bild entwerfen. Von da, hin auf den Sensor eurer Kamera ist es kein weiter Weg mehr und es bedarf nur etwas handwerklichen Wissens, welches sich erlernen lässt. Darum will Jamari den Leser mit ihrem Buch schulen und beim Lesen helfen.

Jamari Lior benutzt hier also eigentlich nur eine andere Technik, die für mehr Grundverständnis sorgt, als für rein technisches Know-How. Dies ist ein Ansatz, mit dem ich anfangs nicht warm wurde. Nun, nach einigen Stunden vor den zirka 250 Seiten bin ich zufrieden, begeistert, neugierig und gebannt. Wie alle anderen Bücher auch, werde ich dieses auf jeden Fall immer wieder in die Hand nehmen und schmökern schon allein weil man auch alte „Bekannte“ im Buch sieht, wie etwa den Brownz. Dafür gibt es denn auch eine klare Kaufempfehlung meinerseits (und nein, den Weihnachtsgeschenk-Zaunpfahl gibt es bei mir nicht! 😛 )

Fazit

Spieldauer / Seiten:ca. 250

Bezugsquelle:Amazon

Preis:29,99

Zielgruppe:Fortgeschrittene, Bildbegeisterte

Trainer:Jamari Lior

Gesamtwertung:85 / 100

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist