Bella Italia und warum ich keine Hochzeitsreportage mache

Endlich ist es soweit und ich habe die Freigabe für die Bilder der Traumhochzeit von Denis und Judith erhalten und darf vor allem euch die Bilder zeigen und einige kleine Geschichten dazu erzählen. Doch beginnen wir bei einer Einladung und am Anfang einer wichtigen Erfahrung für mich.

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Eine Frage, die man sich als Fotograf über sehr kurz oder sehr lang stellt ist: „Fotografiere ich Hochzeiten?“. Hochzeiten bringen tolle Bilder, gutes Geld, zumeist zufriedene Kunden und richtig tolle Momente mit tollen Menschen und ihren Verwandten und Freunden. Auf der anderen Seite sind Hochzeiten anspruchsvoll. Anspruchsvoll was die Kreativität beim Brautpaar-Einzelshooting anbelangt, anspruchsvoller je länger die Reportage geht und anspruchsvoll an den Fotografen, der keinen wichtigen Moment verpassen sollte. Viele Fotografen arbeiten daher mit einem so genannten „Second Shooter“, einem zweiten Fotografen. Dieser ist dazu da, ohne großen Druck und mit Spaß und Herz neben dem Hauptfotografen verborgene Momente einzufangen. Er kümmert sich neben dem Brautpaar auch um die Fotos der Gäste, eventuelle Sonderwünsche und so weiter und so fort. Mein guter Freund und Fotografenkollege Marc bot mir so bei einem Abendessen im kleinen Kreis an, als Second Shooter an den Lago Maggiore mit zu fahren und dort nach Herzenslust und ohne Verantwortung zu fotografieren. Das Ganze sollte ein Wochenende dauern und für mich entscheiden, wie ich zukünftig mit der Hochzeitsfotografie umgehe.

Anfahrt mit Hindernissen

Im Spätsommer zum Fotografieren an den Lago Maggiore? Es gibt echt schlimmeres auf der Welt, wenngleich ich meine kleine Familie nur ungern für ein paar Tage nicht sehen wollte. Ich ging dennoch mit großer Vorfreude an die Sache, packte mein Equipment, bestehend aus meiner A7R und dem Zeiss FE55mm 1.8 Objektiv. Mehr habe ich nicht und ich war auch an dieser Stelle sehr gespannt, ob ich nur mit diesem Zaumzeug das Hochzeitspferd satteln können würde. Die Anreise war richtig toll. Gute und lustige Gespräche mit Marc, eine beeindruckende Landschaft über den Brennerpass und der unglaublich wunderschöne Lago Maggiore waren ein fantastischer Auftakt zu diesem Abenteuer. Da konnten auch die endlos verstopften Straßen nichts ändern, wenngleich die Staus unsere acht stündige Fahrzeit nochmal um gute zwei Stunden verlängerte. Wir kamen am Freitag Abend bei bestem Wetter am Lago an. Während die italienischen Grenzer Marcs Photo-Booth untersuchten und uns einer kleinen Einzelprüfung unterzogen, konnten wir uns quasi am Anblick des Sees kaum satt sehen.

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Ab ins Hotel „Moderno“, welches etwas im Hinterland lag und seine Blütezeit wohl in den 70ern gehabt hatte. Dennoch waren alle Zimmer sauber, das Service-Personal freundlich und sehr um uns bemüht. Die Sachen kurz ins Zimmer geschmissen, haben Marc und ich uns die Zeit für eine kleine Erkundungstour genommen. Zum einen wollten wir die vielen kleinen verwinkelten Gässchen dieses uritalienischen Dörfchens erkunden, zum anderen trieb uns der Hunger auf die Suche nach einem kleinen, schicken Lokal zum versacken. Gesagt getan und wie Fotografen nun mal sind, wurde alles mit der Taschenknippse festgehalten.

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Der Abend brach herein und wir brachten ihn italienisch zu Ende. Mangels eines geeigneten Lokales saßen wir also nach dem Abendessen im Hotel auf der Veranda . Dort ließen wir es uns mit kühlem, süßen Weißen gut gehen und unterhielten uns wirklich tiefgründig über die wichtigen Dinge des Lebens. Wie ist das „Vater sein“, was ist die Fotografie für uns und was gibt es gerade für Knackpunkte in unserem Leben – lieber Marc, diese Gespräche werde ich so schnell nicht vergessen, denn sie waren gut, tief und haben mich noch lange über das Gesprochene nachdenken lassen.

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Traumhochzeit

Der Samstag begann beschaulich. Lange schlafen, gut Frühstücken und sich mental auf die Aufgabe einstimmen, die vor uns lag. Das Treffen mit Judith und Denis war für uns auf 14 Uhr geplant und so hatten wir noch ein paar Stündchen Zeit uns auch den Lago Maggiore noch etwas anzusehen und rund um die Location die Gegend zu erkunden.

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Apropos Location. Das war der HAMMER. Eine alte Villa, auf einem Hügel direkt am See, mit eigenem Garten, verschlungenem Abenteuerweg samt Wasserfall, einer eigenen Orangerie und einem Ausblick für den wohl der eine oder andere Kaiser dereinst einen Krieg angezettelt hätte. Romantisch ohne Ende und einfach nur der Wahnsinn, wurde diese Location bei unserer Ankunft schon von fleißigen Händen dekoriert, und liebevoll vorbereitet. Unendlich viele Kerzchen, Blumensträußchen, Herzen und mehr säumten die Wege und hinterließen vor der Kulisse ein fantastisches „Wow! Ich kenne die beiden nicht und darf hier dennoch dabei sein“-Gefühl. Lacher gabs natürlich auch, denn der liebe Marc hat bei der Auffahrt zur Villa gleichmal um Haaresbreite ein Sträußchen samt Vase umgesäbelt, mit seinem T5. 😀

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Kurz darauf durfte ich Denis und Judith kennen lernen. Denis ist eine Kante. Ein Kerl wie er im Buche steht. Ein Haudegen mit Charme, ein echter Mann eben. Seine Prinzessin Judith ist eine wunderschöne Frau und war eine traumhaft schöne Braut. Elegant, eloquent und sehr herzlich. Beide haben einfach nur zu einander gepasst und man munkelt dass genau das der Grund für die Hochzeit war 😛

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Ab diesem Punkt begann für uns aber auch die Arbeit. Ablaufbesprechung, kurzes Vorstellen der wichtigsten Personen, Ringshot, Ambientefotos, Locationscouting fürs Einzelshooting waren dabei nur der kleine Anfang. Die Location füllte sich mit Gästen, die Feier kam in Schwung und begann mit kleinem Sektempfang bei den Gästen und somit auch bei mir mit den ersten Portraits. Für Marc stand das Brautzimmer und die Ankleide auf dem Plan. Es folgte eine ergreifende Trauzeremonie, mit einem unglaublich guten Pastor und einem rotzverheultem Fotografen,der sich blind auf seinen Autofokus verlassen musste weil er durch den Sucher nix mehr gesehen hat. Ich Weichei. Aber so kanns gehen. Leider war ich nur mit 55mm Objektiv recht schlecht aufgestellt und war froh, auch Marcs Equipment nutzen zu können. Lange Brennweiten und ne Mark III als Body haben durchaus ihre Vorzüge bei einer Hochzeit.

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Nach der Zeremonie kam das von mir lang ersehnte Brautpaar-Einzelshooting, denn Marc, als dufter Kumpel wie er ist, sicherte auch mir meine Zeit mit dem Brautpaar zu. WOW – damit hatte ich so nicht gerechnet. Wir gingen also von der Villa etwas den Berg hinauf, zu einer Art alter Sennenhütte mit Wasserfall nebenan, anschließend in die Orangierie und zum Schluß auch noch bis runter an den See. Ich habe mein Einzelshooting mit den beiden sehr genossen und habe, wie ich finde, für mein erstes Hochzeitsshooting wirklich gute Ergebnisse erzielt. Ich möchte euch daran teilhaben lassen und bedanke mich hier genau an dieser Stelle HERZLICH bei Judith und Denis für die Erlaubnis dazu.

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Einige Bilder sind sogar vom Fleck weg so gut geworden, dass sie ohne Retusche zum Kunden hätten gehen können. Sie haben mir vom Display der Kamera weg schon einfach nur unendlich gut gefallen. Dies hier ist nur ein Beispiel dieser Bilder.

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Danach ging es weiter mit ein paar Gruppenfotos, einer kleinen Anzahl an „Bilderrahmen“-Fotos für die Gäste während der Feier, und mit einer Special-Idee des Bräutigams, ein Superhelden-Hochzeitfoto mit den Trauzeugen, ihm und der Braut. Danach gab es das Essen, diverse Reden und sehr witzige Anekdoten, die Hochzeitszeitung und das ganze im Ambiente dieser unglaublich traumhaften Villa, mit Stuck und Fresken an Decken und Wänden. Doch von da kam der lockere Teil der Geschichte, die eigentliche Feier im Partykeller. Bei eben jener habe ich festgestellt, dass die Sony im stroboskoplichtgefüllten Kellergewölbe, bei tanzenden Menschen ohne Blitz den Fokus schwer findet, aber immer noch gute Bilder abliefert. Gegen 1 Uhr in der Nacht auf den Sonntag gab es noch eine sehr ergreifende Präsentation des Kennenlernens und der gemeinsamen Momente des Brautpaars und auch da kullerte mir das eine oder andere Tränchen. Schluss war gegen halb drei morgens, zumindest für die Fotografen. Ich bin ehrlich, um diese Uhrzeit, nach dem langen Tag, rauschen die Momente nur so an dir vorbei und du versuchst mit deiner Kamera noch Schritt zu halten. Man ist dann zwar total happy mit der Hochzeit, aber dennoch auch froh, sich um drei Uhr morgens das Feierabend-Bierchen im Hotel zu gönnen und erschöpft einschlafen zu können.

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Was bleibt und warum ich keine Reportagen machen werde

Was von diesem Wochenende neben der langen Heimfahrt für mich bleibt, ist eine richtig fantastische Erinnerung an eine absolute Traumhochzeit, mit tollen Menschen, tollen Bekanntschaften und fantastischen Bildern. Ich habe mich in das Brautpaar und in das Brautpaar-Einzelshooting an sich verliebt. Es ist einfach nur gigantisch zwei Liebenden solche Erinnerungen schenken zu können, wenngleich es mir Judith und Denis sowohl mit ihren tollen Persönlichkeiten als auch mit der gigantischen Location durchaus einfach gemacht haben 😛 – Was aber eben auch bleibt ist für mich eine Erkenntnis. Reportagen von mehr als sechs Stunden sind für mich aktuell kein Thema. Zum einen ist es denn doch ein absoluter Knochenjob und das, was ich am Fotografieren so liebe, das konzentrierte, vorprogrammierte, inszenierte Auslösen kommt in den vielen schönen Momenten nicht zum Tragen. Außerdem hat man eine Bürde. Abliefern. Auf den Punkt genau,denn dieser Tag kommt ja so nie wieder für das Paar. Brautpaar-Einzelshootings für 2-3 Stunden, kurze Reportagen und Second Shooter auf Hochzeiten, das sind Gebiete die ich mir dagegen nach wie vor sehr sehr gut vorstellen kann. Doch auch dafür muss ich meinen Objektivfuhrpark um ein paar „lange Linsen“ erweitern und dann wird es sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich sowas mache. Es öffnet einem das Herz und zeigt einem als Fotograf durchaus nochmal etwas ganz anderes in der Fotografie, insbesondere wenn man es noch nie gemacht hat.

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Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de – Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist

  • Tito

    Hammerbilder, schöne Schreibe. Das ist schon toll! Hätte gerne ein parr der Bilder „im stroboskoplichtgefüllten Kellergewölbe, bei tanzenden Menschen ohne Blitz“ gesehen. Ich hab ne Canon 600D und auch ne 50mm Festbrennweite. Kenne mich mit meiner DSLR „rudimentär ganz gut“ aus. Habe dann allerdings festgestellt, dass Bilder in besagter Situation aber doch sauschwer sind.

    Wenn ich so deine Anfangsbilder von der Location sehe denke ich auch „muss ich auch mal machen“. Aber irgendwie packts mich dann doch nicht so richtig einfach mal im eigenen Ort loszugehen und „irgendwas“ zu fotografieren. Muss noch lernen den passenden Blickwinkel zu finden. 🙂

    Dein Blendstufe-Blog hat sich ja schön gemacht, lese seit Anfang an mit. Weiter so!

    • Hallo Tito,

      Die Stoboshots sind leider beim Main abgeblieben, die habe ich nicht mehr 😀 aber sie waren ganz gut und brauchbar, die A7R kann ja auf ISO 6400 noch rauschfrei und so ^^…

      Danke für das Lob!

  • Super Ergebnis und toller Artikel!

    Ich hatte ja auch vor paar Wochen die Chance als Second Shooter zu agieren. Am Ende dürften die Fotos aber komplett gemischt ans Brautpaar übergeben werden. Sind paar super schöne Fotos dabei. Warte hier auch noch auf die Freigabe. Dann gibt’s welche zu sehen.

    Zum Tag selbst muss ich sagen, dass ich verstehe, warum nicht jedermann Hochzeitsfotograf werden möchte. Der Tag war suuuper anstrengend (man möchte ja am besten jedes Foto perfekt machen, tolle Einfälle umsetzen und nichts verpassen) und die Hektik ist definitiv was anderes als Landschaften oder Portraits zu knipsen.

    Deshalb nochmal aus tiefem Respekt: Super Fotos!

    • Vielen Dank, ich bin auf deine gespannt. Bei uns ist es so, dass das Brautpaar nur im Look des Main Shooters bekommen sollte, damit man eben ein einheitliches Ergebnis verkauft.