Backup für Fotografen – Teil 1: erstmal sicher

Das Backup sehr wichtig ist und einem nicht nur viel Arbeit sondern manchmal auch den sprichwörtlichen Hintern rettet, darüber muss ich mit euch sicher nicht mehr sprechen. Auch, dass RAID-Systeme und dergleichen kein Backup sind, dürfte mittlerweile gut bei euch angekommen sein. Als ich vor kurzem jedoch bei einem befreundeten Fotografen einen Ausfall der NAS-Festplatten miterlebt habe, entschied ich mich hier eine Serie zu starten, die speziell auf Foto-Arbeiter zugeschnitten ist.

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Backup sollte im besten Fall in unterschiedlichen Sicherungsarten, unterschiedlichen Speichermedien und unterschiedlichen Örtlichkeiten angelegt werden. Ob man nun genau diese Redundanz haben muss bleibt jedem selbst überlassen, aber in Zeiten in denen der Terrabyte Speicherpreis bei rund 40 €uro liegt (und da reden wir schon von z.b. Western Digital Reds), sollte man gründlich Kosten gegen Nutzen abwägen.

Was wäre wenn

Damit man grob berechnen kann, was einem seine Sicherungslösung kosten soll und darf, betrachtet man drei Faktoren. Zum einen die Speicher-Menge der aktuell angehäuften Daten, dazu den grob abgeschätzten Datenzuwachs pro Jahr und zu guter letzt den „Was wäre Wenn“-Faktor (WWWF). Stell dir vor, von heute auf morgen rauchen in deinem RAID, oder NAS mehrere Platten ab. Oder du hast dir einen Virus gefangen, der es dir unmöglich macht mit den Daten weiter zu arbeiten. Sei es wegen einer Randsomware-Verschlüsselung oder aus Vorsicht um andere nicht zu infizieren. Was passiert? Kannst du alle Kunden die du hast noch beliefern? Könntest du an einem anderen System zur Not weiter arbeiten? Könnten Kunden die du vor 3 Jahren bedient hast noch zu dir kommen und dich um Bilder bitten?

Den WWWF noch eins weiter gedacht. Stell dir vor du kommst gerade vom Hochzeits-Shooting, und deine Kamera fällt dir in den Gartenteich, die SD Karte ist irgendwie defekt oder ähnliches. Was tun? Kannst du dem Brautpaar ihre Bilder dennoch liefern? Rechne also 1+1+1 zusammen und du weisst, was dir deine Sicherung wert sein sollte. Ich habe für mich selbst die Faustformel gefunden, dass meine Sicherung immer so ca. ein drittel mehr kosten darf, als das zu Grunde liegende System. Damit habe ich aber für mich auch gewährleistet, dass ich selbst bei nem Asteroiden-Einschlag arbeitsfähig bin (Anm. d. Autors: Übertreibung, die – Stilmittel).

Die erste Stufe des Sicherungskonzeptes

Lege ich oben beschriebene Sicherungsredundanzen für mich zu Grunde ergeben sich für mich drei Pflichten. Erstens, eine Sicherung direkt vor Ort. Zweitens eine Komplettsicherung daheim und drittens inkrementelle Delta-Sicherungen. Die Sicherung vor Ort macht heute also den Anfang. Das kann entweder eine modernere Kamera sein welche mit zwei Speicherkarten und somit redundanten Bildern arbeitet, oder eine Art Sicherung die direkt vor Ort erstellt wird. Genau diese möchte ich euch heute vorstellen.

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Direkt nach dem Fotografieren, oder nach einem jeweiligen Wechsel der SD-Karte landet selbige bei mir als aller erstes in der WD MYPASSPORT WIRELESS. Diese kleine mobile Festplatte besitzt einen SD-Kartenslot und kann, wenn entsprechend konfiguriert den Inhalt selbiger auf ihren Speicher verschieben oder kopieren. Sie besitzt einen internen Akku der bis zu sechs Stunden Dauerfeuer aushält. Zusätzlich hat der kleine Kasten sein eigenes WLAN an Bord und so könnt ihr nicht nur vom PC sondern auch von allen mobilen Geräten darauf zugreifen. Western Digital bringt dafür seine eigenen Applikationen mit.

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Diese Festplatte liegt immer bei mir in der Fototasche. Wenn alle Stricke reißen, das Haus abbrennt, mein Rechner vom Blitz getroffen oder die Bytezwerge ihren Inhalt gefressen haben, dann habe ich auf dieser kleinen Festplatte meine absolute Notfallinstanz an Daten. Es werden dabei sowohl JPGs als auch RAWs gesichert und die Datenstruktur der SD-Karte erhalten. Wahlweise gibt es die Platte in 500GB, 1TB und 2TB – ich besitze die 2TB Variante, damit komme ich in etwa ein Jahr hin.

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Der Kopiervorgang geht richtig schnell von der Hand und die Platte ist autark. Das bedeutet Karte raus aus der Kamera, neue Karte rein und die benutzte Karte in die Festplatte stecken. Danach wandert sie in die Fototasche und verrichtet dort von allein ihre Arbeit.

WD 1TB My Passport Wireless tragbare Festplatte – WIFI, USB 3.0 – WDBK8Z0010BBK-EESN
Neupreis: EUR 162,11 / Gebraucht ab: EUR 142,66
105 Bewertungen

Fortsetzung folgt

Nachdem ich nun diesen Notfall-Datenbestand extra weggesichert habe, kommen wir dann mit dem nächsten Teil der Serie auf die eigentliche Sicherung der fertigen Daten zu sprechen. Wie sichere ich, wohin sichere ich, wie oft sichere ich und was sichere ich – diese und andere Fragen werde ich dann beantworten. Wenn ihr vorab Fragen habt, haut sie mir in die Kommentare, ich versuche sie dann in Teil 2 zu beantworten.

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist

  • waldemar

    Werde ich weiter hin verfolgen

  • Super Artikel, genau das hatte ich gesucht. Bin Ende des Monats auf einem Städtetrip und auch wenn ich kein Profi bin, hab ich da immer Angst, dass mir die Kamera geklaut wird, ich meine Karte verliere oder sie durch irgendwas geschrottet wird. Notebook zum online sichern wollte ich nicht mitnehmen, hatte dann gedacht, das irgendwie über mein Tablet zu machen. Kartenleser rein, SD-Karte rein und hochladen. Kann mit RAW-Format und Hotel-WLAN natürlich ewig dauern. Die Festplatte wäre eine gute Redundanz, ist natürlich nicht ganz billig. Wobei man sich auch privat fragen muss, was ist es einem wert, einen kompletten Foto-Verlust zu verhindern? Auch ohne fordernde Kunden auf der anderen Seite.

    • Klar, dass muss jeder selbst wissen. Aber wenn es die Bilder nicht wert sind, wozu macht man sie dann? 😉