5 Dinge die ich gerne früher über die Retusche gewusst hätte

Gestern habe ich euch den ersten Teil dieser neuen Serie vorgestellt und er ist bei euch richtig gut angekommen. Zwei weitere Beiträge der Serie hatte ich bereits vorbereitet und wollte jede Woche einen vom Stapel lassen. Nunja, ich bin manchmal schrecklich inkonsequent. Heute also der zweite Teil der Serie, die Retusche!

die größten Fehler passieren im RAW-Converter

Die meisten Fotografen die ich kenne, mich eingeschlossen, beginnen ihren Post-Workflow im RAW-Converter ihrer Wahl. In meinem Fall ist dies CaptureOne Pro in den meisten Fällen dürfte es aber noch Lightroom sein. Wer dort mit dem Kontrast zu Hoch geht, den Weissabgleich nicht beherrscht oder seinen finalen Bildlook noch nicht vorab visualisiert hat, kann hier grobe Schnitzer begehen. Diese fallen einem zumeist aber erst später in Photoshop aus, wenn man nämlich seinen „Standard-Farblook“ auf das Bild anwendet und zum Beispiel die Haut grün wird.

Checkt also eure Werte, schaut dass das Bild in den richtigen Farben in Photoshop kommt. Bei CaptureOne Pro würde ich dank der Ebenenfähigkeit diesen Tipp noch um einen weiteren Ergänzen. Checkt ob eure Bildmanipulationen auf der richtigen Ebene passiert sind und wählt sie beim Betrachten des Fotos ab und an um zu sehen wo was passiert.

manchmal tuts ne Tonwertkorrektur

Ich selbst habe noch vor einem Jahr noch nicht wirklich darauf geachtet Bilder so zu fotografieren, dass die Nachbearbeitung Minimalaufwand darstellt. Du kennst deinen Look und weisst, dass du deine Bilder daher immer eine Blende unterbelichtet brauchst? Dann fotografier es dir direkt so und spar dir eine weitere Ebene in Photoshop oder einen Regler in Lightroom als Fehlerquelle. Wenn es dann zur Retusche kommt, sieht dein Foto nämlich hoffentlich schon fast genau so aus, wie es als Endprodukt aussehen soll. Bei meinen Fotos langt in den meisten Fällen schon eine Tonwertkorrektur in Photoshop und ein Farblook und ich bin mit der Nummer durch.

Somit fasse ich dieses kleine Kapitel in folgendem Tipp zusammen, den ich gerne schon viel früher bekommen hätte. Reduzier dich auf das Maximum. So wenig wie möglich und nur zur Verbesserung des Bildes retuschieren. Ich frage mich das mittlerweile vor und nach jedem Bearbeitungsschritt ob er tatsächlich mein Bild besser gemacht hat. Dazu kann man die Ebenen in Photoshop und CaptureOne Pro prima ein- und ausblenden.

Dodge and Burn. Wirklich jetzt. DODGE AND BURN!

Wenn es um Hautretusche geht habe ich gelernt, dass es viele Methoden gibt um einem Hautproblem beizukommen. Vom Reparaturpinsel, den ich im Übrigen dem Bereichsreparaturpinsel deutlich vorziehe, über das Patch-Tool bis hin zur kruden Stempelei gibt es viele Wege nach Rom. Für mich ist der effektivste Weg eine Kombination aus (sehr wenig) Reparaturpinsel und (sehr viel) Dodge and Burn. Pflanzenfett bei die Blumen, Dodge and Burn ist ne lästige Drecksarbeit und wer an sowas Spass hat….naja lassen wir das 😀 – aber ich kenne nichts dass SO effektiv gegen Hautretuscheprobleme ist wie Dodge and Burn und es ist DIE Technik, die ich persönlich jedem Einsteiger empfehlen würde bis zur Erschöpfung und alle Wissensquellen anzapfend zu lernen.

Arbeitet euch zu erst in globales Dodge und Burn ein, also versucht eurer Location mehr Tiefe zu geben und dunkelt zum Beispiel Holzbalken ab, hellt Bettwäsche auf und versucht Licht und Schatten nach zu empfinden. Dann macht weiter mit lokalem Dodge and Burn und gebt Kleidung mehr Tiefe in dem ihr Falten abdunkelt und Lichtkanten aufhellt. Das gleiche Prinzip, so ihr es dann verinnerlicht habt, passiert dann auch auf der Haut dunkle Stellen hellt ihr auf, helle dunkelt ihr ab, bis die Haut schön glatt ist. Kackarbeit, zugegeben. Aber eure Bilder sollten es euch wert sein 😉

nutzt das Schwarmwissen

Dieser Tipp ist nicht direkt nur auf die Retusche gemünzt, greift aber für mich auch genau an dieser Stelle. Es gibt in unserer Zeit Unmengen an kostenlosem Wissen auf allen möglichen Kanälen. Die Profis geben auf ihren Social-Media Plattformen gern Antwort auf eure Fragen, Youtube zeigt euch wie ihr es praktisch umsetzt und die Foren sagen euch hinterher was man noch besser machen könnte. So weit so gut. Aber man muss es nutzen. Schaut euch regelmässig auf euren Lieblingsplattformen nach neuen Lernvideos ab, holt euch ein Video2Brain Abo oder bildet euch anderweitig konsequent und permanent weiter. Ein Retusche-Workshop bei einem Profi eurer Wahl oder gar ein Einzelcoaching im Thema katapultieren euch je nach Tutor sehr weit nach vorn in eurer Retusche. Nutzt es. Zeigt einem Profi auch mal ein Bild privat oder nutzt Kanäle wie Twitter um Tipps zur Verbesserung eurer Bilder zu bekommen.

Nehmt euch ebenso die „Raw für dich“-Aktionen der diversen Szenefotografen vor und schaut, ob ihr ein Bild genau so bearbeiten könnt wie der Künstler selbst, und wie eure eigene Bearbeitung in der direkten Gegenüberstellung aussieht. Reicht eure Bilder bei Wettbewerben ein und nehmt euch auch dort Kritik zumindest zu Gehör.

Never. NEVER. REALLY NEVER touch the Augenweiss

Wer regelmässige Bildanalyse von Kollegen betreibt um zum einen festzustellen was man selber mag und was nicht und zum anderen um Trends zu erkennen oder sich schlichtweg inspireren zu lassen, der streunt durch diverse Foto-Plattformen. Ob 500px, Model-Kartei oder STRKNG, bei allen sieht man genau zwei Dinge. Erstens: bei Bildern die du richtig geil findest, ist NIE das Augenweiß bearbeitet. Zweitens: bei allen anderen bekommst du selber direkt grauen Star. Ja ich weiss, im letzten Beitrag hab ich euch noch vorgebetet regeln zu brechen und JA – wenn ihr das entsprechend toll könnt, dann braucht ihr euch an diesen Tipp nicht zu halten.

[schlechtes Beispielbild]

Anm.d.Autors: gibts da eigentlich noch keinen Tumblr der „schreckliche Augenweißbilder sammelt ?

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist