5 Dinge die ich gern früher über Kommunikation gewusst hätte

Einen weiteren Artikel meiner neuen Lieblingsserie von 5 Dingen über die ich gerne früher etwas gewusst hätte habe ich euch am Wochenende in die Tastatur geklöppelt. Heute schauen wir uns das für mich wichtigste Element der Fotografie an, die Kommunikation zwischen Fotograf und Sujet.

Kommunikation in der Fotografie

Sobald es an die People-Fotografie, also das Ablichten von Menschen in irgendeiner Form geht, ist für mich das allerwichtigste Element das Verhältnis von Modell zu Fotograf. Insbesondere bei Auftragsarbeiten ist das für mich das entscheidendste Kriterium überhaupt, denn nur wenn deine Kunden sich bei dir wohl fühlen, sich einbringen können und die Stimmung entsprechend passt, wird das Bild ein verkaufter Erfolg. Doch wie kommt man nun als Fotograf mit seinem Modell, das man wahrscheinlich vorher noch nicht Live gesehen hat, ad hoc zu dieser „passenden Chemie“? Dafür gibt es Tipps und Tricks, von denen ich 5 gerne früher gekannt hätte. Hier sind sie also nun, Film ab.

Alles überträgt sich

Wie du morgens aus dem Bett aufstehst, mit deinen Kindern oder liebsten den Tag beginnst, wie du morgens ins Auto steigst und die Laune, die bestimmte Musik im Autoradio in dir weckt, das alles Überträgt sich schon vor dem ersten Händedruck auf deine Modelle. War der Morgen also eher der klassische „Fressedick-Montag“ mit dazu gehörigen Problemstellungen und Launen, dann solltest du UNBEDINGT dafür sorgen, dass du auf dem Weg zum Shoot deinen Kopf in die von mir so genannte „Creative Zone“ beförderst. Lege dir zum Beispiel eine Musikplaylist an, die du IMMER hören kannst und deren Titel dich eher pushen als herunterziehen. Wenn es dir nicht gut geht, sag das Shoot ab oder umgib dich mit Menschen die dir gut tun. Bereits vor dem ersten Händedruck weiß dein Modell unterbewusst, ob es sich wohlfühlt bei dir oder eben nicht und damit stehen und fallen alle Bilder.

Modell: Alisa H. Model

Modell: Alisa H. Model

Ein Vorgespräch ist keine Zeitverschwendung

Gerade bei Auftragsarbeiten aber auch bei freien Arbeiten ist, wie im oberen Abschnitt beschrieben die Chemie sehr wichtig. Das ist der Grund warum ich meinen potentiellen Klienten immer ein kostenloses Vorgespräch anbiete. Dabei erkennt man sehr schnell, wie das Gegenüber tickt, ob man sich versteh oder die Situation eher frostig ist und kann dann entsprechend dagegen Arbeiten. Nutzt diese Chance und ihr habt auf einen Schlag bessere Bilder. Wer mehr über die essentiellen Punkte des ersten Kennenlernens mit Modellen oder Auftraggebern wissen möchte sollte sich hier unbedingt die „Mindkeys“ von Kollege Dennis Weißmantel ansehen! Ich wünschte ich hätte diese Mindkeys früher gelernt und nicht erst beim Dennis im Workshop 😀

Aufgaben als willkommener Eisbrecher

Habt ihr ein Vorgespräch mit eurem künftigen Modell geführt und seid kopfmässig gut drauf, kann es natürlich immer noch pasieren, dass euer Modell am Shootingtag einen „Montag“ hatte. Stau, familiäre Unstimmigkeiten oder Sorgen könnten euer Modell belasten und damit dafür sorgen, dass der Kopf nicht beim Foto ist, sondern ganz weit weg. Auch das wird sich in euren Bildern niederschlagen. Dagegen gibt es Mittel und Wege. Zum Einen solltet ihr unbedingt mit Musik arbeiten. Fragt eure Modelle, was sie mögen, zückt den mobilen Lautsprecher und arbeitet mit Musik. Wählt ihr dann noch dem Geschmack eures Modelles entsprechend auch noch Lieder die zum Shootingthema passen, habt ihr also fast schon gewonnen.
Bei besonders hartnäckigen Fällen, zumeist die Männer bei Pärchenshoots, gibt es noch einen weiteren kleinen Karrtenspielertrick. Kleine Aufgaben für eure Pärchen brechen nicht nur das Eis der beiden Untereinander sondern auch das Eis zu euch, denn natürlich wählt ihr kleine Gemeinheiten oder sehr romantische Dinge. Ich lasse meine Paare zum Beispiel gern etwas Konfetti ins Gesicht pusten, oder sie sollen sich festhalten und sich abwechselnd mit geschlossenen Augen die lustigsten und die romantischsten Eckpfeiler ihrer Liebe rekapitulieren. Das führte bisher immer zum Erfolg, das verkrampfte löste sich sofort und man hatte lachende, verliebte Menschen um sich. Das gleiche gilt auch für Kinder, bei denen zum Beispiel Seifenblasen oder Balancieraufgaben zum Erfolg führen.

Je nach Situation muss man natürlich ein wenig schauen, was es so für kleine Spielchen gibt, aber da sind der Fantasie ja Gott sei Dank keine Grenzen gesetzt. Einziges Augenmerk sollte dem Fakt gelten, dass diese kleinen Aufgaben und Spiele immer eure Modelle in Beschäftigung mit sich selbst bringen sollten und weg von dem eigentlichen Fotografieren.

Passt euch der Kommunikation eures Modells an

Wenn ihr oft mit Kunden oder Modellen für freie Arbeiten kommuniziert, dann tut ihr das wahrscheinlich auf sehr unterschiedlichen Kanälen. Instagram, Facebook, Mail, Telefon, Kontaktformular oder sogar Snapchat und andere Apps wie Romey stehen den menschen zur Verfügung und jeder nutzt was ihm am einfachsten kommt. Schon im Vorfeld kann man durch diesen kleinen Trick verhindern, dass die unendlich wichtige Kommunikation zum notwendigen übel oder gar zum Graus mutiert. Euer Modell ist sehr aktiv auf Instagram? Kommuniziert dort. Euer Modell ist online fast nicht in Erscheinung, dann ruft an. Sorgt dafür, dass eure Modelle Kommunikation mit euch als angenehm und erstrebenswert empfindet und Kommuniziert so locker und offen miteinander.

Kommuniziert offen

Das entscheidende Element innerhalb der Kommunikation mit Kunden und Modellen für freie Arbeiten ist das offene und klare kommunizieren. Passt euch etwas nicht? Sagt es. Haltet ihr eine Idee des Auftraggebers nicht für gut? Sagt es! Wollt ihr eine bestimmte Sache innerhalb eines Auftrags nicht ausführen? Sagt es. Außerdem räumt ihr bitte euren Modellen das gleiche Recht ein und ihr werdet sehen, dass es immer besser ist, wenn man von Anfang an Klarheit über alle Aspekte des Auftrages habt. Diese Lektion beherrsche auch ich noch lange nicht perfekt und sie ist für mich die schwierigste Form des Kontakts zu Kunden, will man es doch seinen Modellen stets recht machen. Es gilt dennoch folgender Grundsatz: man sollte nicht nur über alles reden können, sondern es sogar müssen.

Modell: Male-Efficient by Rames

Modell: Male-Efficient by Rames

Geheimtipp für Fotos von mehreren Personen

Ich erlebe es unendlich oft bei Pärchen- oder Familienfotos. Ein Teil der Modelle hat immer richtig Bock, das ist in den meisten Fällen auch der Auftraggeber. Der andere Teil haut auf die komplette Fotonummer so viel Bock wie auf ne Wurzelbehandlung bei nem blinden Zahnarzt ohne Betäubung. es ist zwar mitunter sehr schwer der Sache mit Kommunikation alleine bei zu kommen, aber auch hier habe ich etwas für euch. Haltet euch an den Auftraggeber. Er ist derjenige, der am Ende bezahlt und am Ende auch zufrieden mit deinen Bildern sein muss. Wenn man es dann noch schafft, durch die Tipps hier im Artikel auch den „anderen Part“ ein wenig mit zu reißen wirkt sich das EXTREM Positiv auf den Auftraggeber aus. Dieses Glücksgefühl überträgt sich meiner Erfahrung nach dann auch immer 100% zurück auf die Grummelbacken der Fototruppe.

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist