5 Dinge die ich gern früher über die Fotografie gewusst hätte

Ich starte heute eine kleine Serie namens „5 Dinge die ich gern früher über […] gewusst hätte“. Darin landen dann Themen wie Retusche, Fotografie, Farben, Kommunikation, Preisgestaltung und vieles mehr und ich freue mich richtig darauf euch die Artikel dazu zu geben. Fangen wir mit dem ersten Gebiet an, der Fotografie.

Du brauchst nur eine Kamera

Die Foto-Foren sind voll von Kamera Gesuchen und Geboten sowohl von privat als auch von Resellern und co. Nebenan, nur fünf Beiträge weiter wird dann über Linse X, Kamera Y und portables Blitzgerät Z gefachsimpelt, mit einer Inbrunst und Leidenschaft, die die meisten der Diskutierenden wohl in keinem anderen Bereich gleichartig aufbringen. Was ich gerne früher gewusst hätte? Den ganze Scheiß brauch ich gar nicht!

Was habe ich Blitze gekauft, mobil, Stative, Linsen ohne Ende, teuere wie billige. Gebracht hat das meinen Bildern rein gar nichts außer die Erkenntnis dass es mit einer Kamera, einer Linse und maximal noch einem Reflektor deutlich besser läuft als vorher. Man konzentriert sich deutlich mehr aufs Licht, lernt es in Ermangelung von „Ach das blitz ich weg“-Kunstlicht besser „Licht lesen und interpretieren“ und vermag sich voll und ganz auf den Aufbau und die Stimmung des Bildes zu konzentrieren. Probiert es doch mal zwei Wochen aus. Nehmt den Lieblingsbody und die Lieblingslinse und sonst nichts. Viel Spaß 😉

Machen ist besser als Planen

Ja, für den Anfang ist es mitunter sehr wichtig ein Shooting bis ins Detail hinein zu planen. Klamotte, Makeup, Location, Details und vielleicht sogar schon Posen die man interpretieren will, machen einem oft das leben leichter. Aber was noch viel wichtiger ist als gute Planung ist, viel auszuprobieren. Ja klar, Modelle sind nicht begeistert wenn man mit ihnen arbeitet und hinterher sagen muss: „Sorry, das hat nicht so geklappt wie ich es mir vorstellte“. Aber man hat eine wichtige Erkenntnis mitgenommen: die Idee war mist.

Dennis Weissmantel @Work

Und so lernt man Stück für Stück und mit jedem weiteren fotografischen Ausflug ein bisschen mehr über sich, und was man mag bzw. was einem liegt und was nicht. Do it 😉

Wechsele das Terrain

Viele von euch fotografieren Menschen, weil es einfach ungeheuer spannend ist. Man lernt viele neue Typen kennen, hat nie das selbe Sujet, wenn man nicht will und man kann unendlich viel experimentieren. Schön und gut. Aber es gibt einen Haken. Wer sich weiterentwickeln möchte, der sollte nicht stehenbleiben und so kann es für jeden von euch gut sein, auch das fotografische Terrain immer mal wieder zu wechseln und wenn es nur Ausflugweise ist.

Jedes Feld der Fotografie hat seine eigenen Spielregeln, Ästhetiken, Herangehensweisen und Workflows. Für mich war es richtig toll mal aus der People-Fotografie raus zu kommen und für ein paar Tage auch mal Architekturfotografie zu machen. Was ich dort über die Linienführung gelernt habe, hat mir auf anderen Feldern sehr weiter geholfen.

Druckt euer Zeug, so oft ihr könnt

Welche „Fehler“ man bei Bildaufbau, Inszenierung, Farben oder ähnlichem gemacht hat sieht man am deutlichsten auf einem großen Ausdruck des Bildes, das man gemacht hat. Doch das ist nicht alles. Ein Druck wirkt. Ihr solltet wirklich ein mal im Monat hergehen und euere besten Fotos drucken lassen.

Das beste Bild des Jahres bestelle ich mir sogar über 1m Größe um auch meine Entwicklung besser zu sehen. Ein A4 in ordentlicher Qualität tut es natürlich auch. Investiert das Geld und last euch die Augen über eure Bildwirkung öffnen. Obendrein ist auch ein Print für einen Fotografen keine 0815-Nummer, denn man muss viel lernen Über Farbräume und Druckprofile. Also los, drucken 😉

ES.GIBT.KEINE.REGELN.

Hand abgeschnitten? Unscharf wie Sau? Farben komisch? Schnitt schief? Es gibt gewisse ungeschriebene Gesetze in der Fotografie, wie etwa „Das Gesicht muss immer scharf“. Wer seine Fotos nach diesem, na sagen wir mal „Fotoforenregelwerk“ hält, kriegt zumindest in den Herkunftsgebieten keine Schelte für seine Bilder. Ich glaube aber fest daran, dass die erfolgreichen Fotografen (bitte definiert für euch selbst was für euch „erfolgreich“ ist) jene sind, die mit diesen Naturgesetzen brechen. Die Götter unserer Zunft (auch diese erwählt ihr euch bitte selbst) sind für mich meist die, die nicht nur diese Regeln brechen, sondern sie einfach komplett verwerfen und sich außerhalb dieser Gesetze neu erfinden.

Last euch nix vormachen. Ein Foto funktioniert dann, wenn der Betrachter verweilt. Habt ihr das mit einem tollen Moment realisiert, dann interessiert es NIEMANDEN, ob das Auge scharf ist oder nicht. Das Gefühl, was es beim Betrachter erzeugt, darauf kommt es an. Auf nix anderes. Hand abgeschnitten – na und?

Veröffentlicht von

Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist

  • Patrick

    Ich stimme dir in allen Punkten zu – mit einer Einschränkung: ob man nur ein Objektiv und ein Body braucht hängt ganz, ganz stark vom Einsatzzweck bzw. Thema ab. Reportage benötigt definitiv mehr Objektive UND Bodys als Streetart beispielsweise. Da spreche ich aus leidiger Erfahrung.

    Gehts allerdings um alles andere als Reportage – dann stimm ich dir definitiv zu.

    • Na klar für gewisse Einsatzzwecke brauchste mehr. Ne Hochzeit kannst 1:1 nicht abfackeln. aber viele machen eben keine Hochzeiten sondern liegen mit 200mm Teleobjektiv imn Workshops aufm Boden und knallen ne halbe stunde von unten auf ein model drauf. dann machen sie das selbe mit allen brennweiten aus ihrem koffer. ich spreche da leider aus erfahrung

      • Patrick

        Ja das stimmt, das ist natürlich ziemlicher nonsens, ganz klar!