5 Dinge die ich gern früher über den RAW-Konverter gewusst hätte

Es ist soweit und ich habe euch den dritten Artikel der Serie „5 Dinge die ich gern früher über […] gewusst hätte“ und ich möchte heute mit euch über euren RAW-Konverter sprechen.

Bevor wir starten ein kleiner Crashkurs in Sachen RAW und RAW-Konverter. Viele Kameras selbst Smartphonekameras beherrschen heut zu Tage das RAW Format. Bei diesem Format werden schlichtweg ALLE (!) Informationen die der Bildsensor rausgibt gespeichert und das in dem Herstellertypischen RAW-Format. Bei Nikon ist das zum Beispiel eine *.NEF – Datei. Wer nicht in RAW fotografiert sondern in JPG macht per se erstmal nichts falsch.

Jedoch vertraut er auf den Kamera-Eingebauten RAW Entwickler, der aus den Rohdaten des Bildsensors ein komprimiertes und somit verlustbehaftetes JPG. Der Vorteil davon ist Speicherplatzersparnis und wenig Aufwand. Das bedeutet aber auch gleichzeitig keinerlei oder wenig Einflussmöglichkeit aufs Endergebnis. Die Kamera konvertiert wie sie „denkt“.

Wer seine Bilder in RAW fotografiert hat vielfältige Möglichkeiten ein Bild im RAW-Konverter seiner Wahl wie etwa CaptureOne Pro oder Lightroom zu manipulieren. Damit ihr dort nicht die gleichen Blödsinnigkeiten tut wie ich, steigen wir mal in die Toplist ein.

Erschaffe dir einen Workflow

Für mich hat es sich als unabdingbar herausgestellt, einen Workflow für den RAW-Konverter zu entwickeln. In CaptureOne Pro könnt ihr alle Oberflächenelemente so anordnen wie ihr arbeitet. Ihr Benutzt den HDR-Slider nicht? Weg mit dem Werkzeug. Ihr wollt die Belichtung vor dem Weißabgleich korrigieren? Bitteschön, zieht das Werkzeug ganz nach oben. Wenn ihr die Werkzeuge in eurem Konverter nicht anordnen oder verändern könnt, dann trainiert euch eine immerzu ähnliche Vorgehensweise an. Ich zum Beispiel beginne IMMER mit dem Weißabgleich und kümmere mich anschließend um die Belichtung und die Hauttöne. Ein strukturierter, guter Workflow, der euch im effizientesten Style durch den RAW-Konverter bringt, spart Zeit und bringt zumeist einen Grundsatz an Ähnlichkeit eurer Werke untereinander und trägt somit zu einem einheitlichen Bildstil bei. Das ist der Grund, warum ein ordentlicher Workflow so wichtig ist und warum es nicht wenige Tutorials dazu gibt.

Achte bei jedem Schritt auf die Farben

Bei jedem Bearbeitungsschritt im RAW-Converter solltet ihr immer auf eure Farben achten. Nicht nur beim verändern des Weißabgleichs verschieben sich Farben. Das gilt ganz besonders für Hauttöne. Haut hat in den meisten Fällen (je nach Typ) einen ganz bestimmten Ton und Abweichungen davon fallen sehr schnell und in den meisten Fällen auch sehr extrem auf. Um das zu vermeiden solltet ihr bei jeder Manipulation nicht nur auf die generellen Farben im Bild auf Verschiebungen oder Farbsäume achten sondern auch besonderes Augenmerk auf die Hauttöne legen. Das kann man am besten mit der Vorher/Nachher-Funktion die es in den meisten RAW-Konvertern gibt.

Experiment und Vorsicht an den Reglern

Da wir es gerade von den Reglern haben. Ich weiss nicht wie oft man diesesn Tipp geben muss, aber wühlt man sich durch diverse Foto-Communities, dann merkt man: NICHT OFT GENUG! Hier also noch mal das aller Wichtigste beim Arbeiten mit eurem RAW-Konverter: MIT VORSICHT AN DIE REGLER!


„Beispielbild“
Klar, ist es wichtig und sogar unabdingbar immer mal mit den einzelnen Reglern im RAW-Konverter zu experimentieren und zu gucken was mit dem Bild passiert wenn man ihn auf Anschlag zieht. Wenn man aber vor der Veröffentlichung nicht daran denkt den Regler wieder auf „natürlich“ zu ziehen, sieh es sehr schnell sehr sehr schlimm aus. Also egal an welchem Regler ihr zieht, in eurer Anfangszeit dürft ihr mit Sicherheit wieder ein paar Prozente zurück gehen.

Euer Konverter kann was!

Nun haben wir uns die Bildmanipulation als solches im Konverter angesehen, doch euer Konverter kann gefühlte 80% mehr. Das fängt bei meinem Lieblingstool an, der Fotobewertung, mit der ich meine Bilder aussortiere und die Kundenvorauswahl erstelle, reicht über Farbmarkierungen für Kundenwünsche oder andere Flags hin zu einer vollständigen Bildverwaltung aller eurer Bilder. Das wusstet ihr? Klar! Mein Tipp: lernt diese Zusatzfunktionen so schnell es geht kennen und erspart euch damit unendlich viel Arbeit. Holt euch im Zweifelsfall ein Basic-Tutorial gekauft oder kostenlos bei Youtube und eröffnet euch so richtig deftiges Potential.

Ich hätte gern früher gewusst, wie toll die Exportfunktionen bei CaptureOne Pro gestrickt sind und hätte mir damit oft viel Blödsinn in Form von völlig unnötigen Arbeitsschritten gespart. Wissen ist da, nutzt es. Schnelles Suchen und Finden, ordentliches Drucken sogar in fertigen Büchern, GEO-Informationen, Metadaten, Bildverwaltung, Kundenvoransicht und vieles vieles vieles mehr können die modernen Konverter. Ein Narr wer es nicht nutzt.

Euer Konverter kann Standalone existieren!

Für mich waren der RAW-Konverter und Photoshop immer eine Einheit, schließlich verkauft sogar Adobe die beiden zusammen im Paket. Je nachdem welchen Anspruch man an seine Fotografie hat, kann man aber mit seinem RAW-Konverter der Wahl sogar vollständige Beautyretuschen durchführen, von Hautunreinheiten über den Schnitt bis hin zu Dodge and Burn.

CaptureOne Pro ist da für meinen Geschmack sogar noch unabhängiger, denn es ist Ebenenfähig. Seit ich C1 benutze wechsele ich eher selten in Photoshop, für meinen Farblook und eventuell noch etwas Verflüssigung.

Wagt ein Experiment und versucht die nächsten 3 freien Arbeiten mal rein im Konverter zu finalisieren, denn es könnte Geld und Zeit sparen.

Bonus: Presets mit Geschmäckle

Was ich gern unbedingt früher gewusst hätte ist ein Konglomerat an Tipps für die Presets. Presets sind nichts weiter als gespeicherte Entwicklungseinstellungen. Ihr macht ein Bild fertig, es gefällt euch so und ihr wollt alle Bilder der Serie genauso aussehen lassen, dann speichert ihr euch die Settings des ersten Bildes in ein Preset und wendet es dann auf alle anderen an. Was deutlich mehr von euch tun ist, Presets gratis aus dem Netz zu laden, gibt a genug, auf ihre Bilder zu dübeln und laut FERTIG! zu rufen. Falsch gedacht. Presets kann man anpassen und das ist mein wichtigster Rat an euch. Holt euch Presets, wo auch immer ihr sie findet und für gut erachtet, aber passt sie hergottnochmal auf eure eigenen Fotos an. Preset-Händler machen andere Bilder als ihr und damit ein Preset so auf eurem Bild aussieht wie auf dem des Anbieters müsst ihr eben auch das Foto lichtähnlich und farbähnlich anlegen. Oder aber ihr passt das Preset an. Zum Abschluss noch ein Geheimtipp für Lightroom-Faule, mit dem Fader bekommt ihr so etwas wie eine Art Deckkraftregler für Lightroom. Preset drauf, Fader 50% runter und das Bild sieht gleich viel mehr nach euch aus 😉

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Gründer und Zeugwart bei www.blendstufe.de - Gegenlichtliebe, Available Light Fetischist